Opposition mit Fragezeichen

Die Linkspartei hat das politische Farbenspiel in Deutschland kräftig durcheinander gewirbelt. Nur weil die Liberalen auch durch Leihstimmen aus der Union überraschend stark zugelegt haben, verfehlten Lafontaine & Gysi ihr Maximalziel, nämlich drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden.

Die Linkspartei hat das politische Farbenspiel in Deutschland kräftig durcheinander gewirbelt. Nur weil die Liberalen auch durch Leihstimmen aus der Union überraschend stark zugelegt haben, verfehlten Lafontaine & Gysi ihr Maximalziel, nämlich drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden. Doch das ist Schnee von gestern. Jetzt richtet sich der Fokus auf ihre parlamentarische Arbeit.Dass sich die beiden Zugpferde gestern einer überwältigen Mehrheit bei der Wahl zum Fraktionsdoppelvorsitz erfreuen konnten, ist keine Überraschung. Der frühere Chef der SPD und der ehemalige Vorsitzende der Linkssozialisten galten gewissermaßen als gesetzt. Für die Geschlossenheit der Linkstruppe muss das noch lange nichts bedeuten. Allein schon deshalb, weil Lafontaine und Gysi individuelle Eitelkeiten pflegen, die sie aus taktischen Gründen im Wahlkampf zurück gestellt hatten. Ein Wahlergebnis mit einer Stimme Unterschied zu Lasten Gysis kann da schon zum Politikum werden. Auch muss man daran erinnern, dass sich die Fraktion aus zwei Parteien rekrutiert, die auf Landesebene zum Teil noch eine herzliche Feindschaft pflegen. Dass Gewerkschafter West und PDS-Strategen Ost unterschiedlich ticken, zeigte sich bereits an den Avancen einzelner WASG-Abgeordneter, den amtierenden Kanzler gegen Angela Merkel zu unterstützen.

Offiziell gilt die Marschrichtung einer strikten Opposition. Sollte das Machtpoker um den nächsten Regierungschef allerdings tatsächlich bis in den dritten Wahlgang gehen, stünde der Linksfraktion schon die erste Zerreißprobe ins Haus. Denn eine Stimmenthaltung würde wohl die Wahl von Merkel bedeuten. Kein Wunder, dass die Linkspartei inständig hofft, erst gar nicht in diese brisante Lage zu kommen.

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