Optimal, aber zu selten

Zwischen der Komplett-Pflege zu Hause und der Unterbringung im Heim gibt es einen Mittelweg: Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen wie in Paschel und Prüm. Dort kümmern sich ausgebildete Altenpfleger um die sinnvolle Beschäftigung und Pflege der Besucher.

Paschel/Prüm. Mitten auf dem Land, in der Gemeinde Paschel, neun Kilometer südlich von Trier hinter Pellingen, ist ein Musterprojekt für Demenzkranke zu finden. Betritt man dort die alte Schule, merkt man schon am Eingang, dass es hier geschäftig zugeht. Im gemütlichen Betreuungsraum sitzen zehn Besucher, manche malen, andere spielen Mensch-ärgere-Dich-nicht. Alle sehen zufrieden aus.

Anne Kammer und Ursula Schneider haben die Betreuungsgruppe "Gemeinsam erleben, gemeinsam freuen!" für demenzkranke ältere Menschen 2004 gegründet. Zuerst trafen sich die Mitglieder in Kanzem, später in Wawern. 2006 fanden Kammer und Schneider, beide gelernte Pflegekräfte, mit der alten Schule in Paschel einen optimalen Standort. Zurzeit besuchen 21 demenzkranke Männer und Frauen zwischen 60 und 93 die Gruppe. Montags, mittwochs und freitags kommen sie, um zu spielen, zu singen, zu kochen oder zu klönen.

Mit Unterstützung der "Alzheimer Gesellschaft Region Trier" und der Gemeinde Paschel konnten Kammer und Schneider die Schule nach ihren Vorstellungen renovieren. Kammer betont: "Uns geht es vor allem darum, dass die Leute nach einem Tag, von dem sie vielleicht gar nicht mehr so viel wissen, sagen können: ‚Ich hatte den ganzen Tag ein gutes Gefühl." Und das "Sich-gut-Fühlen" steht im Mittelpunkt des Angebots. "Freut Euch des Lebens" singen die Teilnehmer zusammen mit den Betreuerinnen.

Gerade dass die sieben Mitarbeiter richtig ausgebildet sind, unterscheide Paschel von anderen Angeboten, sagt Johanna Reusche, Psychotherapeutin und Vorstandsmitglied der Alzheimergesellschaft. "Ich bin sehr froh über die qualifizierte Arbeit hier."

Kammer kennt alle Besucher persönlich, deswegen kann sie auf deren individuelle Bedürfnisse reagieren. In dieser familiären Atmosphäre sieht sie einen entscheidenden Unterschied zu Pflegeheimen. Kammer: "Bei uns wird ganz viel geschmust."

In Prüm bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) seit August 2008 eine ähnliche Einrichtung. "Jut Stuff" ist das Motto der Betreuungsgruppe des Sozialdienstes des DRK in Prüm. Auch hier ist es gemütlich, und es wird gebastelt, gespielt und gesungen. 15 Demenzkranke besuchen die Gruppe regelmäßig. Eines der Ziele des Angebots ist die Entlastung der Angehörigen: "Diejenigen, die einmal den Schritt gemacht haben, sind total dankbar. Sie können dann endlich mal zu Hause machen, was sie wollen, wie laut Musik hören", sagt die Pflegedienstleiterin Brunhilde Hell. Sie ist zusammen mit der examinierten Krankenschwester Ilse Jacoby verantwortlich für die Gruppe.

Der gute Geist der Gruppe ist Schwesternhelferin Anita Margraff. Sie hat laut Hell ein gutes Händchen für Demenzkranke.

Jacoby und Hell wollen vorhandene Fähigkeiten der Besucher aktivieren und so den fortschreitenden Prozess der Erkrankung aufhalten. Andererseits soll die Gruppe gegen die drohende Isolation zu Hause helfen und soziale Kontakte fördern. Der Tapetenwechsel tue ihnen gut, sagt Hell.

Der Bedarf für Einrichtungen wie in Prüm und Paschel sei hoch und werde noch wachsen, schätzt man im Demenzzentrum für die Region Trier. Aber weil es bislang nur wenige Angebote gibt, müssen die Angehörigen oft riesige Anfahrtwege in Kauf nehmen.Extra Die Betreuungsgruppe in Paschel trifft sich montags, mittwochs und freitags von 9 bis 16.30 Uhr. Ein Tag kostet 40 Euro. Infos unter 06587/992690 oder bei der Alzheimer Gesellschaft Region Trier unter 06501/5476. Die Tagesbetreuung "Jut Stuff in Prüm" öffnet dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr ihre Pforten. Pro Stunde kostet das Angebot acht Euro. Infos unter Telefon: 06551/959010.

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