Paukenschlag in Kiel

Für die Sozialdemokraten ist das Wahlergebnis im Norden ein Paukenschlag, ein Treffer in die Magengrube. Mag sein, dass sich die SPD in den letzten Wochen aus dem tiefsten Tal heraus wähnen konnte, aber die von Parteichef Franz Müntefering unlängst herbei geredete Wende ist wieder in weite Ferne gerückt.

Die Wahl in Kiel hat Müntefering und Kanzler Schröder einen ordentlichen Dämpfer verpasst; sie hat Rot-Grün in Berlin - von fünf Millionen Arbeitslosen und der Visa-Affäre massiv unter Druck gesetzt - wieder erheblich in die Defensive gebracht; und sie hat denen Auftrieb gegeben, die im Mai in Nordrhein-Westfalen die letzte rot-grüne Koalition in einem Bundesland hinweg fegen und das bundespolitische Koordinatensystem damit vollends verschieben wollen. Die Chancen für den Machtwechsel in NRW stehen jetzt jedenfalls um einiges besser als noch vor dem gestrigen Wahltag. Angela Merkel kann durchatmen, der Wähler in Schleswig-Holstein hat die Konzeptionslosigkeit der Union auf Bundesebene nicht bestraft. Damit ist die erneute Debatte um die Führungsstärke der Vorsitzenden erst einmal vertagt. Gelingt der CDU nun allerdings auch noch in NRW der Wechsel, wären zwei Dinge klar: Merkels Kanzlerkandidatur stünde nichts mehr im Wege. Und die rot-grüne Koalition in Berlin würde ihrem Ende entgegen steuern. Eines hat die Wahl übrigens erneut auch gezeigt: Alles ist eingetreten, nur nicht das, was die Demoskopen vorhergesagt haben. Das ist zwar peinlich, aber zum Glück gilt doch noch: Abgerechnet wird zum Schluss. nachrichten.red@volksfreund.de