Paukenschlag

Die jetzt in Washington offiziell verkündeten Mond- und Mars-Erforschungspläne von US-Präsident Bush haben sowohl eine politische wie wissenschaftliche Komponente. Welchen Effekt beim Bürger die Vorschläge neuer bemannter Weltall-Missionen haben sollen, macht allein der Zeitpunkt klar: Das Jahr ist angebrochen, in dem sich Bush der Wiederwahl stellen muss, und die Demokraten beginnen am Montag mit der mühsamen wie langwierigen Kür des Oppositions-Kandidaten.

Nun hat Bush 2004 mit einem Paukenschlag eingeläutet, der viele andere Missklänge im Land übertönen soll - angefangen von der weiter schwelenden Debatte um die Gründe für die Invasion im Irak bis hin zu den Dauer-Problemen bei der staatlichen Altersversorgung und in der US-Krankenversicherung. Der Frage der Finanzierbarkeit seiner Projekte ist Bush gekonnt ausgewichen, wird er doch längst nicht mehr Präsident sein, wenn es im Mond- und Mars-Wettrennen mit den Europäern - die ihrerseits nun ebenfalls an bemannte Missionen denken - und vermutlich auch den Chinesen ernst wird. Zu einem Zeitpunkt, wo der amerikanische Staat täglich eine Milliarde Dollar neue Schulden macht, um überhaupt die Regierungsgeschäfte weiter betreiben zu können, ist die von vielen Fragezeichen begleitete Vision Bushs von enormer finanzieller Kühnheit geprägt. Zumal es unter Wissenschaftlern umstritten ist, ob die am Ende des Plans stehende erste Mars-Reise eines Menschen tatsächlich aus Forschungssicht ein weiterer Meilenstein der Raumfahrt sein wird. Und nur wenige - wie der australische Wissenschaftler Paul Davies - sehen in einem Mars-Besuch bereits den ersten Schritt zu einer Ansiedlung auf dem Roten Planeten, wo dann die Menschheit im Falle einer katastrophalen Entwicklung auf der Erde - wie dem drohenden Einschlag eines großen Asteroiden oder einer tödlichen Seuche - eine Überlebenschance haben könnte. Doch allein schon die aktuellen Bilder des Mars-Rovers beleben die Phantasie der Erdenbürger - und werden am Ende wohl auch dazu beitragen, dass jene Pläne, die jetzt in den Vereinigten Staaten vor allem wahlpolitischem Kalkül entsprangen, weiter lebendig bleiben. nachrichten.red@volksfreund.de