Peters' Waterloo

Der Mann von morgen in der IG Metall ist seit dem Wochenende der Mann von gestern. Jürgen Peters, gewerkschaftlicher Hardliner von altem Schrot und Korn, hat mit der von ihm verantworteten Streik-Pleite in Ostdeutschland den Beweis angetreten, dass er zu allem taugt - nur nicht als Nachfolger des im Oktober aus dem Amt scheidenden IG Metall-Chefs Klaus Zwickel. Der Streik für die 35-Stunden-Woche sollte eigentlich Peters' Meisterstück für die Bewerbungsmappe werden, er wurde sein persönliches Waterloo und eine der schwersten Schlappen der IG Metall. Ein intelligenter und pragmatischer Gewerkschaftsführer hätte den Ausstand zur Unzeit gar nicht erst vom Zaum gebrochen; jetzt, da ganz Deutschland am Rande einer Rezession steht und besonders die Menschen im immer noch wirtschaftlich hinterher hinkenden Osten der Republik froh um jeden Arbeitsplatz sind. Doch Jürgen Peters und seinem Statthalter vor Ort, Hasso Düvel, fehlte es an Einfühlungsvermögen und an Weitsicht. Der Metaller-Streik war schon allein deshalb zum Scheitern verurteilt, weil ihn nicht einmal die eigenen Mitglieder geschlossen unterstützten. Rückhalt in der Bevölkerung oder in der Politik hatte der Ausstand ohnehin nie. Mit seiner Betonkopf-Strategie hat Jürgen Peters nicht nur der IG Metall, sondern allen Gewerkschaften im Land schwer geschadet. Das Porzellan, das er in vier Wochen zerschlagen hat, muss ein anderer mühsam wieder kitten. Der Stuttgarter Bezirksleiter Berthold Huber war im Rennen um die Zwickel-Nachfolge eigentlich schon geschlagen. Nach Peters' Streik-Debakel führt an ihm nun allerdings kein Weg mehr vorbei. r.seydewitz@volksfreund.de