Pille danach sorgt trotz Votum der Bischöfe weiter für Verunsicherung

Pille danach sorgt trotz Votum der Bischöfe weiter für Verunsicherung

Vier Wochen nach der Trierer Bischofskonferenz gibt es in den katholischen Krankenhäusern der Region unterschiedliche Ansätze für die Verschreibung der "Pille danach". Die Organisation Pro Familia fordert: Es muss Klarheit für betroffene Frauen geben.

Nach heftigen öffentlichen Diskussionen hatten die Bischöfe im Februar die Linie ausgegeben, in katholischen Krankenhäuser dürfe vergewaltigten Frauen die Pille danach verschrieben werden, "wenn sie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft eine Empfängnis verhindern, aber nicht abtreibend wirken". Diese Mischung aus Moral und Chemie sorgt in den Krankenhäusern nun für schwierige Abstimmungen. Von "zusätzlicher Verwirrung" durch den Bischofs-Beschluss spricht Claudia Heltemes von Pro Familia in Trier.
Volksfreund-Recherchen ergeben in den Krankenhäusern der Region ein diffuses Bild. Die Auskünfte unterscheiden sich je nach der Ebene, mit der man spricht. "Die Bischöfe haben die Tür aufgemacht, aber wir wissen nicht, ob wir durchgehen dürfen", sagt ein Arzt, der anonym bleiben will.
Das Thema sei "wirklich schwierig", gibt Helga Bohnet vom Trierer Mutterhaus unumwunden zu. Dort haben sich Fachgremien und das Ethik-Kommitee mit der Sache beschäftigt. Aktueller Stand: In einem vergleichbaren Fall wie bei dem Vergewaltigungsopfer in Köln, das die Debatte ausgelöst hatte, würde man im Mutterhaus ein Rezept für die Pille danach ausstellen. Kommunikationschefin Bohnet verweist auf neue Studien, die die "moderne Pille danach" als Verhütungsmaßnahme, aber nicht als Schwangerschaftsabbruch einstufen.
Bei der Marienhaus-Unternehmensgruppe, die katholische Krankenhäuser in Gerolstein, Hermeskeil, Bitburg und das Verbundkrankenhaus Trier betreibt, setzt man auf die Verantwortung des Arztes. Er müsse gemeinsam mit der Patientin die Frage der Verschreibung "mit seinem Gewissen ausmachen". Der Träger werde diese Entscheidung nicht anzweifeln, sagt Sprecher Herbert Frieling.
Pro Familia freut sich, "dass der Stein ins Rollen gekommen ist", fordert aber mehr Sicherheit für betroffene Frauen. Am liebsten wäre der sozialen Organisation eine Regelung wie im Nachbarland Luxemburg: Dort gibt es die Pille danach rezeptfrei in jeder Apotheke.

Hintergrund: Im katholischen Luxemburg gibt's die Pille danach rezeptfrei

Kommentar: Verhütungspannen nicht vergessen

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