1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Plüsch und Blattgold wie auf der Southfork Ranch

Plüsch und Blattgold wie auf der Southfork Ranch

Ein Familienclan, ohne jegliche Erfahrung in Wahlämtern, schickt sich nach dem Sieg des Patriarchen Donald Trump an, einem ganzen Land seinen Stempel aufzudrücken. Viele Amerikaner fühlen sich an die Achtzigerjahre erinnert, jedenfalls optisch.

Washington. Donald Trump war schon immer der größte Fan seiner ältesten Tochter. Vor 13 Jahren fragte er den Talkradio-Moderator Howard Stern, ob er, Stern, eigentlich wisse, wer unbedingt auch in die Liga der schönsten Frauen der Welt gehöre. Im Übrigen habe er dazu beigetragen, sie zu erschaffen. Die Antwort: Ivanka, sie habe die tollste Figur und obendrein viel Geld im Model-Business verdient. Im Wahlkampf sprach er davon, dass er vielleicht mit ihr ausgehen würde, wenn Ivanka nicht seine Tochter wäre.Wie bei den Kennedys


Das grundprüde Amerika war ein wenig pikiert, weil es sich ein bisschen nach Inzest anhörte. Nun kann es mit ansehen, wie Ivanka Trump zu einer Schlüsselfigur in einem von den Republikanern beherrschten Amerika wird. Die Bilder aus dem Trump Tower, Plüsch, Kronleuchter, Blattgold, das ganze überladene Interieur, lassen irgendwie an die Southfork Ranch denken. An den Schauplatz der Fernsehserie "Dallas", die zu Zeiten, als Ronald Reagan im Oval Office regierte, wahre Quotenrekorde feierte. Geht man nach den ersten Signalen der Übergangsperiode, in der sich der neue Präsident auf sein Amt vorbereitet, lässt sich wohl konstatieren: Schon lange nicht mehr hatte eine Familie so viel Einfluss auf die Politik der USA.
Drei Kinder und ein Schwiegersohn des Moguls sitzen im 16-köpfigen Exekutivkomitee des Teams, das über das Personal entscheidet, das demnächst im Weißen Haus arbeiten wird. Es sind Ivanka, ihr Mann Jared Kushner sowie Donald Trumps Söhne Eric und Donald jr.
Auch wenn der Vergleich hinken mag, Historiker erinnert es an das Jahr 1960, als John F. Kennedy nach gewonnener Wahl seinen Bruder Bobby als rechte Hand ins Kabinett holte und der weit verzweigte Kennedy-Clan seinen Einfluss in Washington geltend machte.
Melania Trump, die künftige First Lady, gehört zwar zum engsten Kreis der Familie, aber offenbar nicht zum engsten Kreis der Berater. Schon ihre Wahlkampfauftritte beschränkten sich auf zwei, drei einstudierte Reden. Als sie auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner eine Laudatio auf ihren Mann hielt, stellte sich prompt heraus, dass sie ganze Passagen bei Michelle Obama, der aktuellen First Lady, abgekupfert hatte.
Obwohl sie bereits seit 1996 in den USA lebt, lässt das Englisch der gebürtigen Slowenin noch immer einen starken Akzent erkennen. In einem Interview hat sie einmal gesagt, im Weißen Haus würde sie gern die Rolle Jackie Kennedys spielen. Es klang nach einer Stil-Ikone, die Glamour verbreitet und sich politisch zurückhält, ganz anders als zum Beispiel eine Hillary Clinton im Kabinett ihres Gatten Bill.
Gut möglich, dass es anstelle Melanias eher Ivanka ist, die in der öffentlichen Wahrnehmung die wahre First Lady sein wird. Die Tochter aus der ersten Ehe Trumps mit Ivana Zelnickova, einer Skiläuferin aus der Tschechoslowakei. Aufgewachsen im liberalen New York, befreundet mit Chelsea Clinton, gibt die 35-Jährige gern die aufgeklärte Brückenbauerin, die auch ihren Vater bisweilen milde ermahnt. Auf dem republikanischen Konvent hielt sie eine Rede, wie sie auch zu einem Kongress der Demokraten gepasst hätte. Von bezahltem Mutterschutz sprach sie, von besserer Kinderbetreuung. Als ein aus den Archiven hervorgekramtes Video dokumentierte, wie Trump Frauen zu willfährigen Sexobjekten degradierte, stimmte dessen Tochter in den Chor der Kritiker ein. Sie finde die Worte beleidigend, erklärte sie, um hinzuzufügen, dass ihr Vater in Wahrheit ganz anders sei.
Es war ein Versuch der Schadensbegrenzung, der die Komikerin Chelsea Handler zu einer harschen Replik veranlasste. Ivanka verstelle sich doch nur, "hätte sie sich jedes Mal zu Wort gemeldet, wenn ihr Vater über Frauen herzog, dann, aber nur dann, wäre sie heute eine Heldin".
Jared Kushner, der Ehemann von Donalds Lieblingskind, ist für einen Schlüsselposten im Gespräch. Der Baulöwe, Spross einer jüdischen Unternehmerfamilie aus New Jersey, gilt als Kandidat für das Amt des Stabschefs im Weißen Haus. Schon im Wahlkampf war er der Manager im Hintergrund, still, effizient, organisiert. So aufbrausend sein Schwiegervater sei, so kühl und beherrscht sei Kushner, sagen Insider.
Dann wäre da noch die 23 Jahre alte Tiffany, die Tochter aus Trumps zweiter Ehe mit dem Model Marla Maples, bisher eher als Statistin in schöner Kulisse gefragt, immer dann, wenn sich der Clan in Wahlnächten den Fotografen präsentierte. Schließlich Eric und Donald junior, die Söhne Trumps aus der Verbindung mit Ivana Zelnickova.
Beide hat der Senior in das Geschäft mit Hotels und Golfplätzen einbezogen, wie auch Ivanka sind sie Vizepräsidenten der Trump-Organisation. Wenn der Vater erst einmal Präsident ist, sollen sie den Konzern übernehmen, heißt es.Extra

Der künftige US-Präsident Donald Trump will nach seinem Amtsantritt in der Ausländerpolitik hart durchgreifen. Bis zu drei Millionen Menschen ohne gültige Dokumente sollen schnell ausgewiesen werden, sagte Trump in seinem ersten Fernsehinterview nach seiner Wahl. Dies seien Kriminelle, Drogendealer und Bandenmitglieder. "Wir schaffen sie außer Landes, oder wir sperren sie ein." Trump will mit Abstrichen auch an seinem umstrittenen Mauerbau an der Grenze zu Mexiko festhalten. Auf die Frage, ob er wirklich eine Mauer bauen wolle, antwortete Trump im CBS-Interview: "Ja". In einigen Gebieten könnte es aber auch "etwas Einzäunung" geben, sagte der 70-jährige Immobilienmilliardär, der am 20. Januar vereidigt wird. Laut Trump-Berater Newt Gingrich wird der neue Präsident zwar eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen, aber vermutlich nicht viel Zeit darauf verwenden, Mexiko dafür zur Kasse zu bitten. Dies hatte Trump immer wieder im Wahlkampf angekündigt. Die im Wahlkampf scharf kritisierte Gesundheitsreform des scheidenden Präsidenten Barack Obama will Trump anscheinend doch nicht ganz abschaffen. Einige Teile davon werde er übernehmen, sagte er in einem Interview des Wall Street Journal. Die Regelung, dass Versicherer Patienten nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen können, halte er für richtig. Außerdem sollten auch künftig Kinder bis zum Alter von 26 Jahren bei ihren Eltern mitversichert bleiben können. Als Kandidat hatte Trump die als "Obamacare" bekannte Reform als "Katastrophe" bezeichnet. dpa