Politik paradox

Die Entscheidung über den CDU-Spitzenkandidaten für für die nächste rheinland-pfälzische Landtagswahl fällt zwar erst in zwei Monaten. Aber wer das innerparteiliche Schlachtfeld als Sieger verlassen wird, steht heute schon fest: Christoph Böhr.

Und - Politik paradox - dafür verantwortlich sind ausgerechnet jene drei Herren, die den kopflastigen Landes- und Fraktionschef partout verhindern wollten. Dilettantischer allerdings, als dies die drei CDU-Bezirkschefs Rauen, Hörster und Lechner gemacht haben, hätte man die Attacke nicht in den Sand setzen können. Da wird dem angeblich so Böhr-unzufriedenen Parteivolk mit Eva Lohse eine Spitzenkandidatin präsentiert, die gar nicht kandidieren will - allenfalls unter unrealistischen Prämissen. Peinlich. Das ist Affentheater, eine politische Lachnummer ohne Beispiel und noch längst nicht zu Ende. So weit, wie sich die Bezirksvorsitzenden nämlich in ihrem Anti-Böhr-Brief aus dem Fenster gelehnt haben, gibt es für sie jetzt kein Zurück mehr. Sie haben ihren eigenen Parteichef als Pfeife gebrandmarkt, mit dem keine Wahl zu gewinnen sei. So ein Vorwurf ist schäbig, erst recht unter Partei-"Freunden". Dies muss ein Politiker aber heutzutage wohl verkraften können. Nachdem die offenbar überhastig vorgestellte personelle Alternative so schnell wieder von der Bühne verschwunden ist, wie sie auf tauchte, gilt jeder neue Böhr-Herausforderer jetzt automatisch als zweite Wahl - mit null Chancen auf dem Landesparteitag Mitte November. Weil das potenzielle Bewerber wissen, wird sich nach dem Lohse-Desaster allenfalls noch ein Opferlämmchen zur Kandidatur gegen Böhr bereit erklären. Danach wird die seit 1988 ohnehin traumatisierte Partei gespalten und in ihrer politischen Handlungsfähigkeit arg geschwächt sein. Bis zur nächsten Landtagswahl sind die aufgerissenen Wunden unmöglich zu schließen. Und so steht - den drei Bezirkschefs sei Dank - heute schon fest, wer 2006 gegen den alten und neuen Herausforderer Christoph Böhr gewinnen wird: SPD-Ministerpräsident Kurt Beck. r.seydewitz@volksfreund.de