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Politikwissenschaftler zur erneuten Kandidatur: "Die Entscheidung von Merkel macht Sinn"

Politikwissenschaftler zur erneuten Kandidatur: "Die Entscheidung von Merkel macht Sinn"

Für den Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer ist es nur konsequent, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erneut als Kanzlerkandidatin antritt. Mittendrin aufzuhören, sei nicht ihre Art, so Niedermayer im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Experte lehrt an der Freien Universität Berlin.

Hat Angela Merkel den richtigen Zeitpunkt für einen guten Abgang verpasst?
Niedermayer: Nein. Ganz so gut wäre der Abgang jetzt auch nicht gewesen angesichts der Flüchtlingskrise und der turbulenten Zeiten durch die US-Wahl. Das hat auch zu ihrem Entschluss beigetragen. Es ist noch vieles unerledigt, was sie noch erledigen will.

Das heißt, sie hat keine andere Wahl, als erneut anzutreten?
Niedermayer: Ja, genau. Mittendrin aufzuhören, das geht von Merkels Art und Weise nicht.

Aber läuft sie nicht Gefahr, womöglich wie Helmut Kohl zu enden?
Niedermayer: Da muss sie höllisch aufpassen. Denn es gibt einerseits die normalen Ermüdungserscheinungen. Merkels Image hat gelitten, insbesondere durch ihre Flüchtlingspolitik. Und gerade jemand, der so lange in der Politik ist, kann schwer von der Macht lassen. Andererseits wird sie von den Bürgern immer noch besser bewertet als alle anderen, die für ihr Amt oder als Herausforderer infrage kämen.

Ist Merkels Entscheidung auch die richtige für die Union?
Niedermayer: Auf jeden Fall. Es gibt innerhalb der CDU Kritik an ihr, und vor allem aus der CSU. In den letzten Wochen ist aber viel unternommen worden, um den Streit in sinnvolle Bahnen zu lenken. Und die beinhalten ein nochmaliges Antreten von Frau Merkel. Die CSU wird das auch mittragen. Es wird aber so kommen, dass man im Wahlkampf inhaltlich unterschiedliche Akzente setzt. Das hat man früher genauso gemacht.

Könnte ihre Motivation sein, dass es keine Alternative zu ihr gibt?
Niedermayer: Die gibt es jetzt noch nicht. Sie zieht immer noch am meisten für die Unionsparteien. Alle Namen, die genannt werden, sind entweder noch viel zu unbekannt, oder die Beurteilung fällt durch die Bevölkerung deutlich schlechter aus.

Was bedeutet der Entschluss für die K-Frage in der SPD?
Niedermayer: Die SPD wird nun immer mehr unter Druck geraten, von ihrem ursprünglichen Fahrplan abzuweichen. Ich denke, sie wird den Kanzlerkandidaten bald verkünden. Und es ist geboten, klare Verhältnisse zu schaffen. Weil die Bürger wissen wollen, woran sie bei der SPD sind. has