Politische Plagegeister

Willkommen im Land der politischen Schwarz-Weiß-Maler und Ideologen, willkommen im Land der Münteferings und Westerwelles. Als hätte Deutschland-einig-Jammerland nicht schon Problemchen genug, kommen jetzt auch noch selbst ernannte Hellseher und Gaukler aus ihren Löchern und verklären uns mit ihren Stammtisch-Analysen die Welt.

Willkommen im Land der politischen Schwarz-Weiß-Maler und Ideologen, willkommen im Land der Münteferings und Westerwelles. Als hätte Deutschland-einig-Jammerland nicht schon Problemchen genug, kommen jetzt auch noch selbst ernannte Hellseher und Gaukler aus ihren Löchern und verklären uns mit ihren Stammtisch-Analysen die Welt. Wäre die nur so einfach gestrickt, wie uns die roten und gelben "Simplifyer" Glauben machen wollen, wäre ein Ausweg aus dem ökonomischen Siechtum womöglich rasch gefunden. Gewiss: Es gibt Raubtier-Kapitalisten und auch engstirnige Gewerkschaftsfunktionäre. Nur: Die große Masse der Unternehmer stellt eben nicht Rendite über alles, sondern weiß, was sie an ihren Mitarbeitern hat. Und die meisten Gewerkschaftsfunktionäre sind schon seit langem für pragmatische Lösungen ohne ideologische Scheuklappen zu haben, wenn’s den Arbeitnehmern dient. Was also soll das ganze Geklappere und Geplappere? Die Motivation ist bei Müntefering und Westerwelle ähnlich. Den reformfreudigen Genossen laufen Mitglieder und Wähler in Scharen davon. Und der SPD-Vorsitzende versucht vor der drohenden NRW-Pleite verzweifelt, die Davoneilenden mit einem löchrigen Netz einzufangen. Guido Westerwelle, ehedem FDP-Spaßkanzlerkandidat, spielt dagegen in der großen Politik keine Geige mehr. Nun ist der Liberale verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Spielwiese, damit sich die Medien seiner erbarmen.Die abstrusen Plagegeister-Theorien: hüben wie drüben pure Verzweiflungstaten. Mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass die Politiker-Verdrossenheit noch zunimmt und die Wahlbeteiligungen weiter sinken. Probleme werden keine gelöst, allenfalls neue geschaffen. Dafür aber sind unsere Volksvertreter nicht gewählt. r.seydewitz@volksfreund.de

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