Populistische Scheinlösungen

Jeden Tag sterben auf deutschen Straßen 20 Verkehrsteilnehmer, und 1400 werden verletzt. Was das mit der aktuellen Diskussion zur Terror-Bekämpfung zu tun hat? Mehr, als man im ersten Moment denkt. Trotz der tatsächlich drohenden Gefahr setzen sich die Deutschen allmorgendlich sorglos in ihr Auto, kein Mensch käme auf die Idee, die Komplett-Video-Überwachung aller Kreuzungen und Verbotszonen zu fordern oder an Zebrastreifen bewaffnete Sheriffs patrouillieren zu lassen.

Über solche Maßnahmen wird derzeit bei der Bahn geredet, obwohl Bahnkunden die größte Gefahr für Leib und Leben objektiv erst dann droht, wenn sie die Straße vor dem Bahnhof überqueren. So ist das, wenn Angst den Verstand beim breiten Publikum vernebelt und Politiker auf dem Flämmchen der Panik ihr Süppchen kochen. Da kommen dann groteske Vorschläge wie die bewaffneten "Train-Sheriffs" heraus. Die Bahn leistet sich schon kaum mehr einen Schaffner, wer soll dann die Waggon-Polizisten bezahlen? Oder die zehntausend Videobänder-Kontrolleure? Solche Maßnahmen hätten ja nur einen Sinn, wenn sie flächendeckend eingesetzt werden. Was hilft es denn, den Trierer Hauptbahnhof mit Kameras zu spicken, wenn es in Konz-Karthaus nicht einmal dafür reicht, kaputte Scheiben zu ersetzen und den von der Wand rieselnden Putz zu erneuern? So dumm wäre doch der dümmste Terrorist nicht, dass er solche Schwachstellen nicht nutzt. Es geht nicht darum, blauäugig oder fatalistisch auf einen Anschlag zu warten. Wo es tatsächlich mehr Sicherheit bei einem vertretbaren Aufwand gibt, sollte gehandelt werden. Aber das geht nur in Ruhe, nach sorgfältiger Prüfung und gründlichem Abwägen. Schnellschüsse und populistische Scheinlösungen kommen uns am Ende viel zu teuer. d.lintz@volksfreund.de