Potus und Flotus

Kennen Sie Potus und Flotus? Beide sind zurzeit in Hamburg und werden großgeschrieben. Jedenfalls bei Twitter.

"Die ersten Staatschefs landen in Hamburg, u.a. POTUS", vermeldete Regierungssprecher Steffen Seibert auf seinem Account, und wenig später: "Kanzlerin Merkel im Gespräch mit POTUS." Das ist nicht despektierlich, sondern offiziell die Abkürzung für President of the United States, also Donald Trump. FLOTUS ist Gattin Melania, die First Lady of the United States.

Während der schweren Ausschreitungen am Donnerstagabend an der Hafentreppe auf St. Pauli gab es einen, der der Gewalt scheinbar unbeirrt trotzte: Pizzabote Benjamin steuerte seinen Roller zunächst durch einen Teil des Schwarzen Blocks, was mit Applaus und Jubel begleitet wurde. Dann ließ ihn die Polizei auch noch zwischen den Wasserwerfern hindurchfahren. Für einen Moment war die ganze Anspannung verflogen, der ganze Pulverdampf verraucht. Aber nur kurz, dann flogen schon wieder Flaschen und Steine.

Beim Gipfel spielt auch der Glauben eine große Rolle, nicht nur, weil man den Glauben an den guten Willen einiger G-20-Teilnehmer noch nicht ganz verloren hat. Das Bundespresseamt hat im Internationalen Medienzentrum zwei Gebetsräume für Muslime eingerichtet. Einen für Frauen, einen für Männer, mit jeweils drei kleinen Teppichen. Da Muslime gen Mekka beten, ist auf dem Boden ein grüner Pfeil aufgeklebt. Er weist in dem Fall die richtige Richtung.

Noch wichtiger ist aber die Sicherheit. Wer ins Internationale Medienzentrum will, muss nicht nur an Hundertschaften der Polizei und Wasserwerfern vorbei, sondern auch durch zwei Sicherheitsschleusen. Für ein "Briefing", die Unterrichtung einer Delegation, wird man noch einmal überprüft. Die Angst treibt zudem seltsame Blüten. Beim Presseabend am Mittwoch gab es nur Wein aus Flaschen mit Drehverschluss - die Korkenzieher wurden vorher eingesammelt. Sicher ist sicher.

Hagen Strauß