1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Präsidentschaftspoker: Regionale CDU-Politiker werfen Liberalen Vertrauensbruch vor

Präsidentschaftspoker: Regionale CDU-Politiker werfen Liberalen Vertrauensbruch vor

Treueschwüre nach außen, geballte Faust nach innen: Der Poker um die Präsidentschaftskandidatur von Joachim Gauck hat der FDP einen Sieg über die Union gebracht. Doch der Preis könnte hoch sein. Regionale Politiker zum Kandidatenstreit.

Der heftige Koalitionskrach um die Kandidatur von Joachim Gauck für das Bundespräsidentenamt droht das schwarz-gelbe Regierungsbündnis nachhaltig zu belasten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war nach Unionsangaben erbost über den Vorstoß der FDP, den rot-grünen Favoriten Gauck gegen den Willen der Union zu unterstützen. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer sprach von einem "gewaltigen Vertrauensbruch" der FDP. Ähnlich äußerte sich auch der Eifeler CDUBundestagsabgeordnete Patrick Schnieder. "Das Verhalten der FDP ist nicht in Ordnung", sagte Schnieder dem TV. Nur das Ansehen von Joachim Gauck und die Würde des Amtes hielten ihn vom Nachkarten ab. CDU-Agrarstaatssekretär Peter Bleser sagte, zu Gauck habe es keine durchsetzungsfähige Alternative gegeben, "es sei denn, man hätte den Bruch der Koalition und damit Neuwahlen in Kauf genommen". Der Dauner FDP-Bundestagsabgeordnete Edmund Geisen begrüßte die Festlegung seiner Partei auf Gauck: "Gut, dass von den Liberalen der notwendige Druck gemacht wurde." Die Opposition sieht die Bundesregierung kaum noch handlungsfähig. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betonte, er gehe zwar nicht davon aus, dass die Koalition vorzeitig breche. "Aber Frau Merkel wird sich das, was sie da erlebt hat, auch merken." Für den Trierer SPD-Bundestagsabgeordneten Manfred Nink trägt Merkel eine Mitschuld an dem Schaden, den Christian Wulff angerichtet habe. "Hätte die Koalition bereits bei der Wahl 2010 Weitblick bewiesen, wäre dem Amt viel Unrühmliches erspart geblieben", meint Nink. Die Linke erwägt, einen Gegenkandidaten zu Gauck aufzustellen. Keine Stimme bekommt Gauck von der Trierer Abgeordneten Katrin Werner. "Gauck ist für mich nicht wählbar, weil er für den Afghanistankrieg und für Hartz IV ist", sagte sie. Ihre These: Ein "neoliberales Parteienkartell" bereite die Neuauflage der Großen Koalition vor. sey/dpa