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Prinzen, Prinzessinnen und Joker

Prinzen, Prinzessinnen und Joker

Auf das von ihm angezettelte Schaulaufen beim CSU-Parteitag blickt Horst Seehofer mit einer gewissen Genugtuung. Neben Ilse Aigner bringen sich die Konkurrenten in Position.

München. Er hat sie alle umarmt, liebkost, hat ihnen Hoffnungen gemacht und den Wettbewerb dadurch kräftig angeheizt. Jetzt hat CSU-Chef Horst Seehofer sogar noch einen "Joker" aus dem Ärmel gezogen. Aber nur eine Position ist bei diesem Spiel gestärkt worden: Seehofers eigene.
Es ist der erste Parteitag der Christsozialen nach der Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, 2013 nach Bayern wechseln zu wollen. Die neue Sympathieträgerin in der CSU, von denen die Partei nicht viele hat, hält in München Hof: Sie kommt gerne etwas später in die Halle, so dass sich alle Blicke auf sie richten. Ein Foto mit Ilse? Kein Problem. Wo immer Aigner auch auftaucht, schnell bildet sich eine Menschentraube um sie. Ist Aigner, die Vorsitzende des größten CSU-Bezirks Oberbayern, Horst Seehofers Kronprinzessin? Soll sie den Parteichef und Ministerpräsidenten beerben, spätestens 2018? "Es gibt in Bayern keine Monarchie mehr", lautet ihre Standardantwort. Die Parteitagsregie hat die Ministerin aber prominent in die erste Reihe gesetzt, direkt neben Edmund Stoiber. Sie ist ständig im Visier der Kameras. Ihr Name als Seehofers Erbin fällt unter den Delegierten am häufigsten. Intern ist Aigner freilich noch lange nicht so mächtig, wie man durch die ganze Aufmerksamkeit glauben könnte. Und auch deshalb hält sie sich mit selbstbewussten Sprüchen zurück.
Lachender Vierter


Für ihre schärfsten Kontrahenten, den krawalligen Finanzminister Markus Söder, der sich im Sommer schon als künftiger Ministerpräsident sah, und die Sozialministerin Christine Haderthauer ist die Lage längst nicht so behaglich. Etwas versteckt sitzen sie vor der Bühne in der zweiten Reihe, mit Argusaugen beobachten beide das Treiben um Aigner. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Schaulaufen kleinzureden. Von neuer Konkurrenz wollen beide nichts wissen. Gleichwohl, das Machtgefüge in der Partei unterhalb Seehofers ist durch Aigner ins Wanken geraten. In kleiner Runde sollen sowohl Söder als auch Haderthauer ihrem Frust freien Lauf gelassen haben. Am Ende dürften Geduld und Kraft den Dreikampf entscheiden. Oder aber es freut sich ein lachender Vierter: Auch der bullige Innenminister Joachim Hermann hofft nämlich auf Seehofers Posten.
Wer geglaubt hat, am Samstag aus der Rede des Ministerpräsidenten einen Hinweis auf die Erbfolge ablesen zu können, der wird enttäuscht. Seehofer beobachtet den von ihm befeuerten Wettbewerb lieber mit Amüsement. Die Rangelei hinter ihm lässt ihn noch mächtiger erscheinen. Das weiß er. Aus seiner Sicht ist keiner der Anwärter bereits stark genug, ihn tatsächlich zu beerben. Auch Ilse Aigner nicht, der er lediglich eine gute Startposition verschafft hat.
Nur keine Gewissheit für niemanden, das ist Seehofers Motto. Und da verwundert es nicht, dass der Vorsitzende am Rande des Parteiabends einen fünften Kandidaten ins Gespräch bringt, einen ungenannten "Joker". Gemeint sein könnte Karl-Theodor zu Guttenberg. Um die Rückkehr des über eine abgeschriebene Doktorarbeit gefallenen Hoffnungsträgers in eine "maßgebliche" Position wolle er sich nach der Landtagswahl im kommenden Jahr kümmern, verkündet der CSU-Chef. Wieder einmal.
Ist es diesmal ernst gemeint? Bei Seehofer weiß man nie. Es dürfte vor allem Teil seines Spiels sein. Gefreut haben werden sich Aigner, Söder, und Haderthauer jedenfalls nicht. Das ist sicher. has