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"Protektionismus bringt nichts”

Prof. Bernhard Swoboda.
Prof. Bernhard Swoboda. FOTO: (g_pol3 )
Trier. Warum der von US-Präsident Trump angekündigte Kurs zu mehr Jobs und steigenden Preisen führen würde. Rolf Seydewitz, Prof. Bernhard Swoboda.

Trier Mit dem neuen US-Präsidenten ist der Protektionismus zurückgekehrt. Trumps "America first" könnte für Deutschland bedeuten, dass Unternehmen mit Restriktionen rechnen müssen, wenn sie Produkte in die Vereinigten Staaten exportieren wollen. Der Trierer BWL-Professor Bernhard Swoboda glaubt allerdings nicht, dass sich deutsche Mittelständler allzu große Sorgen machen müssen.Welche möglichen Folgen könnte Trumps Anti-Globalisierungskurs auf die deutsche Wirtschaft haben?SWOBODA Grundsätzlich sollte man erst einmal abwarten, ob es tatsächlich wie angekündigt durchgezogen wird. Vieles, was der neue US-Präsident Trump macht, ist nur Symbolpolitik. Amerika hat 170 Millionen Beschäftigte. Und wenn Trump einen Produzenten wie etwa BMW zwingt, eine Fabrik mit 5000 Leuten in die USA zu verlegen, ist das für den amerikanischen Arbeitsmarkt nicht wirklich entscheidend. Und wenn Trump doch ernst macht mit seinen Ankündigungen, wofür es ja Anzeichen gibt …SWOBODA Dann muss man sich die Struktur der deutschen Exportwirtschaft anschauen, denn die wäre ja betroffen. Die beiden größten Bereiche sind die Automobilbranche und der Maschinenbau. Wenn Sie mit deutschen Maschinenbauern reden, sagen die: Wir machen uns da keine großen Sorgen, weil die von uns produzierten Maschinen in den USA überhaupt niemand mehr bauen kann. Und Sie können nicht in der Kürze einer Amtszeit Kompetenzen aufbauen, die es in den USA seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.Und was ist mit den anderen Branchen?SWOBODA Nach der Automobil- und der Maschinenbaubranche wären da noch Chemie, Pharma und Metallverarbeitung, die relativ viel in die USA exportieren. Aber bleiben wir mal bei der Automobilbranche: Viele deutsche Unternehmen, die von Trump attackiert worden sind, etwa BMW, haben ohnehin schon Produktionsstätten in Amerika. Aber Deutschland exportiert ja immer noch deutlich mehr Waren in die USA als umgekehrt …SWOBODA Traditionell ist die Außenhandelsbilanz aus deutscher Sicht positiv; in der Vergangenheit sogar wesentlich größer. Aber wenn BMW seine SUVs (Geländelimousinen) nun in den USA baut, sinkt die Importquote, und Großkonzerne machen die Investition immer dann, übrigens auch in anderen Ländern, wenn der lokale Markt an Bedeutung gewinnt und dies rechtfertigt. Durch Produktion vor Ort kann beispielsweise flexibler auf die Kundenbedürfnisse vor Ort reagiert werden. Wenn ich Sie richtig verstehe, könnten die exportabhängigen deutschen Unternehmer etwas gelassener auf das Trommeln aus den USA reagieren …?SWOBODA Genau. Aus meiner Sicht müssten die Großkonzerne aber für den Fall der Fälle - also etwa bei Einführung eines 35-prozentigen Importzolls - entsprechende Produktionsverlagerungsplanungen in der Schublade haben. Letztere würden meines Erachtens weniger die Konzerne treffen als vielmehr die deutsche Wirtschaft, so den deutschen Arbeitsmarkt. Hieße aber, dass die Arbeitsplätze hier wegfielen …SWOBODA Richtig. Die Arbeitsplätze des betreffenden Unternehmens in Deutschland fielen weg. Wenn Großkonzerne im Ausland produzieren statt in Deutschland, werden hier Jobs überflüssig. Und was ist mit Made in Germany?SWOBODA Was ich sagte, gilt eher für Aktiengesellschaften. Bei einem Maschinenbauer, dem klassischen Mittelständler, zählt das Siegel Made in Germany was, das ist ein Ausweis für exzellente Produkte und würde sich kaum ändern.Ihre Einschätzung: Hält Trump seinen Anti-Globalisierungskurs durch?SWOBODA Nach meiner Auffassung nicht, wenn er vernünftig beraten wird. Er will ja unter anderem Jobs alter Technologien wieder ins Land holen, so Kohle, Stahlverarbeitung und Ähnliches. Das kann beispielsweise in Südkorea oder Australien wesentlich preiswerter gemacht werden. Langfristig würde Trumps Antiglobalisierungskurs dazu führen, dass er zwar mehr Jobs schafft, aber die Preise für Rohstoffe oder Produkte in die Höhe schießen. Dann haben zwar mehr Leute Arbeit, können sich dafür aber weniger leisten. Sie sagen also: Protektionismus bringt nichts ...SWOBODA Jeder Volkswirt wird Ihnen sagen, dass Protektionismus zu höheren Preisen führt, weil sie nicht mehr auf dem Niveau des Weltmarktes arbeiten, sondern in einem geschützten Bereich. Sie könnten etwa in Deutschland im Bereich Kohle und Stahl viele Tausend Arbeitsplätze schaffen, wenn sie den Sektor schützen. Aber die Produkte wären wesentlich teurer, als wenn sie diese weltweit einkaufen würden. Deswegen macht man das ja nicht und setzt in Deutschland auf Zukunftstechnologien. Rolf SeydewitzInterview Prof. Bernhard Swoboda PROFESSOR FüR MARKETING UND HANDEL

Extra

Bernhard Swoboda ist seit 2002 Professor für Marketing und Handel an der Universität Trier. Zuvor war der 52-jährige Betriebswirt unter anderem an den Universitäten Essen und Saarbrücken tätig.