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Prozess nach Babytod: Angeklagte ist voll schuldfähig

Prozess nach Babytod: Angeklagte ist voll schuldfähig

Er neigt sich dem Ende zu, der Prozess gegen die amerikanische Mutter, die ihren acht Monate alten Sohn nicht vor den letztlich tödlichen Übergriffen ihres Ehemanns geschützt haben soll. Gestern trug die psychologische Sachverständige vor dem Trierer Landgericht ihr Gutachten zur Schuldfähigkeit der Angeklagten vor.

Sie sieht jünger aus, als es ihre inzwischen 23 Jahre vermuten lassen. Derart jung, dass wohl niemand am Mittwoch im Sitzungssaal des Trierer Landgericht überrascht ist, als die psychologische Sachverständige, Prof. Dr. Anke Rohde, der Angeklagten eine "junge, unreife Persönlichkeit" bescheinigt. "Defizite bei der Konfliktlösung und bei der Kommunikation" hat die Gutachterin bei der Amerikanerin ausgemacht.

Und diese Defizite sollen auch eine Rolle gespielt haben in dem Geschehen, wegen dem sich die Angeklagte seit Ende Februar unter anderem wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen vor dem Landgericht verantworten muss. Die junge Frau soll ihren Sohn nicht vor den Misshandlungen ihres Ehemannes, eines auf der Airbase Spangdahlem stationierten Soldaten, beschützt haben. Im Herbst 2010 starb der Junge im Alter von acht Monaten an den Folgen eines Schütteltraumas. Die Angeklagte will von den Übergriffen nichts mitbekommen haben.

Sie hätte aber auch gar nicht den Mut gehabt, anzusprechen, dass etwas nicht in Ordnung ist, ist die Sachverständige überzeugt: Die junge Mutter habe eine Art "Nicht-Verhalten" an den Tag gelegt, seitdem sie im Juli 2010 aus den USA zu ihrem Mann nach Spangdahlem zurückzog - "nicht hinsehen, nicht reagieren, nichts unternehmen". Vermutlich habe die junge Frau an einer "depressiven Verstimmung" gelitten - ausgelöst dadurch, dass sie nach der Geburt ihres Sohns zunächst im amerikanischen Texas viel Unterstützung von ihrer Familie bekommen hatte, dann aber ab Juli sozial isoliert in Spangdahlem lebte.

Anhaltspunkte für eine Einschränkung der Schuldfähigkeit sieht Prof. Dr. Rohde jedoch nicht. Die 23-Jährige ist damit voll schuldfähig. Da offenbar keine weiteren Zeugen gehört werden, wird das Gericht vermutlich schon in der kommenden Woche ein Urteil sprechen. neb