Qual der Wahl

"Neue Gerechtigkeit durch mehr Freiheit" hat die Unionsspitze ihre Selbstbespiegelung in Mainz überschrieben - wie immer das auch gehen soll. Die CDU versucht anscheinend krampfhaft, einen zentralen Fehler des Bundestagswahlkampfes nicht zu wiederholen: Damals wurde bei ihr das Soziale schmerzlich vermisst, dementsprechend miserabel fiel ja auch das Wahlergebnis aus. Nur, es war nicht allein die mangelnde Gerechtigkeitsrhetorik, die den Wähler vergrätzte, sondern es waren auch die diesbezüglich fehlenden Inhalte. Der Vor-Wahlkampf zu den Landtagswahlen hat augenscheinlich begonnen. So viel steht fest: Die Ergebnisse der Urnengänge werden sich auf das innere Machtgefüge der großen Koalition in Berlin auswirken. Und für Angela Merkel sind sie indirekt das erste Zeugnis, das sie von einem Teil der Wähler erhalten wird. Dass die Union sich jetzt verbal stärker sozialdemokratisiert, ist nur logisch: Denn aus einer großen Koalition heraus kann eben nur derjenige deutlicher punkten, von dem die Menschen glauben, dass ihm der Spagat von Reform und sozialem Ausgleich am besten gelingt. Letzteres war in der öffentlichen Meinung aber nur selten ein Markenzeichen der CDU. Die Butter vom Gerechtigkeits-Brot wird sich die SPD jedoch nicht nehmen lassen wollen. Ein Wettstreit der Koalitionäre bahnt sich also an, so dass beide Parteien immer schwieriger auseinander zu halten sein werden. Für die Bundestagswahl 2009 bedeutet dies: Der Wähler könnte tatsächlich die Qual der Wahl haben. nachrichten.red@volksfreund.de

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