Rabatte: Schlacht der Sparfüchse

Rabatte: Schlacht der Sparfüchse

TRIER. (sas) Rabatte, Preis-Senkungen und Produkt-Zugaben: Die Schnäppchenjagd im deutschen Einzelhandel hat bereits drei Wochen vor dem offiziellen Start des Winterschlussverkaufs ungeahnte Höhen erreicht.

20, 30, 50 Prozent - zwischen Weihnachtsaktionen und dem am 26. Januar beginnenden, letzten Winterschlussverkauf haben viele Händler erneut den Rotstift angesetzt. Hintergrund ist laut dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels ein Umsatzeinbruch. In der Tat hat das Statistische Bundesamt im November 2003 einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. Besonders stark war der Rückgang bei Kleidung und Schuhen. Als Ursache für die "Verschärfung des Preiskampfes" (Alfred Thielen, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes in der Region Trier) wird meist die Kaufzurückhaltung genannt. Auch verschiebe sich das Weihnachtsgeschäft zunehmend, sagt Hans-Peter Schlechtriemen, Vorsitzender der Trierer City-Initiative und Geschäftsführer der Galeria Kaufhof. "Natürlich wird versucht, über Rabatte Marktanteile zu halten", sagt er. Trotz der frühen Abschläge sei aber noch genug Winterware im Lager. Mit gemischten Gefühlen sehen Rosemarie Henkel vom Stadtmarketing-Verein Wittlich und Herbert Scheider vom Gewerbeverein Bitburg die Rabattschlacht im Einzelhandel. "Mittel-Zentren wie Wittlich stecken bei großen Aktionen meist zurück", sagt Henkel. So würden Kunden abgegraben. "Natürlich will jeder Händler leben", bestätigt Scheider, doch für kleinere Betriebe sei es schwerer, Kunden über den Preis anzuziehen. Experten warnen allerdings: Mit der Preisspirale nach unten steigt die Gefahr, dass Verbraucher nichts kaufen. "Negative Auswirkungen gibt es bei einer Überflutung mit Rabatten", sagt Daniel Salber vom ifm-Forschungs-Institut Freiburg. Er hat in einer Studie die Wirkung von Rabatten, Coupons und Kundenkarten auf das Einkaufsverhalten untersucht. Wer von Rabatten überflutet werde, könne den Wert von Produkten nicht mehr einschätzen und zögere eine Kaufentscheidung heraus. "Das birgt Gefahren", sagt der Psychologe: "Der Handel tritt sich selbst ans Bein. Statt mehr Umsatz wird es weniger geben." Mögliche Folge: Service und Qualität könnten wieder die Oberhand gewinnen. "Wenn der Verbraucher überfüttert ist mit Rabatten, kehrt er zur Qualitätsware wieder zurück. Eine Chance für Nischen- und Fachbetriebe", glaubt Thielen vom Einzelhandelsverband. Kritik an den Rabattschlachten kommt auch von der Gewerkschaft Verdi. Der Preisverfall führe zu Personalabbau, bemängelt Verdi-Fachgruppenleiter Ulrich Dalibor. 2003 verloren bundesweit rund 13 000 Verkäuferinnen und andere Mitarbeiter im Textileinzelhandel ihren Job. So teilt der Herstellerverband GermanFashion der Bekleidungsindustrie mit, dass innerhalb von drei Jahren die Beschäftigtenzahl in der Teilbranche um 21 000 gesunken ist. Jeder zehnte Mitarbeiter habe seinen Job verloren. KOMMENTAR SEITE 2 GELD UND MARKT SEITE 6