Rasende Seifenkisten

Wir sind schon ein merkwürdiges Land. Da verfolgen wir gnadenlos jeden, der vergisst, den Gurt anzulegen oder es wagt, im Auto sein Handy zu benutzen.

Wir sind schon ein merkwürdiges Land. Da verfolgen wir gnadenlos jeden, der vergisst, den Gurt anzulegen oder es wagt, im Auto sein Handy zu benutzen. Da geben wir Milliarden aus, damit der Kleinwagen mit acht Airbags ein Optimum an Sicherheit bietet oder die Überlebenschancen des Motorradfahrers dank High-Tech-ABS drastisch steigen. Aber gleichzeitig öffnen wir die Straßen und den Markt für Karossen, die die Geschwindigkeit eines mittleren PKW mit dem Sicherheitsgrad einer Seifenkiste verbinden. Und damit sich die Sache lohnt, dürfen selbst ahnungslose Inhaber einer Lizenz, die sie vielleicht einst auf einem VW Käfer erworben haben, mit Geräten durch den öffentlichen Verkehr rasen, die manch erfahrenem Motorrad-Profi die Haare zu Berge stehen lassen. Von den 16-Jährigen mit dem Kinderführerschein ganz zu schweigen, aber die sind offenbar vernünftig genug, solchen Unfug zu meiden. Noch eine Zugabe gefällig? Aber gern: Der Gesetzgeber hat leider vergessen, rechtzeitig zur Liberalisierung des Marktes auch die Frage der Schutzkleidung zu regeln. So darf nun jeder in Shorts und Badelatschen mit quietschenden Reifen vor der Eisdiele anlegen – wenn er sich nicht vorher abgelegt hat. Ein Glück für die Gesetzesmacher, dass Beihilfe zum Selbstmord hierzulande straflos ist, sonst müsste der zuständige Minister am Ende noch zum geschlossenen Vollzug antreten. Wie geht’s weiter? Wir sind ein freies Land, das umfasst auch die Option, seine Gesundheit beim Fahren mit gefährlichen Fahrzeugen aufs Spiel zu setzen. Aber eine vernünftige Ausbildung, etwa im Sinn eines Pflicht-Kurses, dazu Helm- und Schutzkleidungspflicht sowie eine nachhaltige Kontrolle der zugelassenen Leistungs-Limits: Das wäre schon das mindeste, was die zuständigen Behörden und Parlamente regeln könnten. Was den Rest angeht, bleibt der Appell an die Vernunft der Quad-Fahrer. Zumindest die organisierten Clubs scheinen das verstanden zu haben. d.lintz@volksfreund.de