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Raucher sollen früher zum Arzt

Raucher sollen früher zum Arzt

Mediziner aus der Region kämpfen gegen den Lungenkrebs: Sie fordern, Raucher sollen sich regelmäßig untersuchen lassen und Zigaretten in Luxemburg müssten eigentlich teurer werden.

Trier. Es sind Fälle wie die eines 45-jährigen Mannes aus Trier, die den von Berufs wegen eher abgeklärten Herz- und Thoraxchirurgen Günther Matheis nachdenklich machen. Der bis dahin gesunde Mittvierziger kam wegen Atemnot in die Notaufnahme. "Nichts Schlimmes", hat sich Matheis zunächst gedacht. Nur der Fleck auf der Lunge, der auf dem Röntgenbild zu erkennen gewesen ist, hat den Arzt des Trierer Brüderkrankenhauses irritiert. Nach ein paar Wochen dann die Diagnose: fortgeschrittener und damit unheilbarer Lungenkrebs. Das Todesurteil für den Vater von zwei kleinen Kindern. "Das Schlimme: Der Mann war Nichtraucher" erinnert sich Matheis. Auch Nichtraucher können an dem heimtückischen Krebs erkranken - aber das, so Matheis, sei eher die Ausnahme. Das Risiko für Lungenkrebs steige mit der Anzahl der Zigaretten, der Dauer des Rauchens und dem Teer- und Nikotingehalt der Zigaretten.

"Ursache Nummer eins ist das Rauchen", sagt auch Harald Michels. Der Leiter des Trierer Gesundheitsamtes hat sich intensiv mit Lungenkrebserkrankungen in der Region beschäftigt. Zusammen mit dem Trierer Soziologen Rüdiger Jakob ist er vor einiger Zeit der Frage nachgegangen, warum in und um Trier im landes- und bundesweiten Vergleich mehr Menschen an Lungenkrebs sterben. Deutschlandweit kommen rund 59 Lungenkrebstote auf 100 000 Einwohner, in der Region sind es 62. In Rheinland-Pfalz sterben jedes Jahr rund 2000 Menschen daran, im Schnitt sind sie dann 67 Jahre alt.

Mittlerweile sei Lungenkrebs die dritthäufigste Krebsart bei Frauen, bei Männern die häufigste. Rund 1400 Menschen erkranken jedes Jahr in Rheinland-Pfalz an dem heimtückischen Krebs, der lange ohne Symptome bleibt. Viele von ihnen könnten womöglich geheilt werden, wenn sie sich regelmäßig untersuchen lassen würden, sagt Matheis. "Die Leute müssen früher zum Arzt", fordert er. Seiner Meinung nach müssten Hausärzte sensibler werden bei Rauchern und sie regelmäßig röntgen. "Oft wird der Krebs nur durch Zufall erkannt."

Ginge es nach Gesundheitsamtschef Michels, würden zunächst einmal die Zigaretten in Luxemburg teurer. Denn in billigeren Glimmstängeln, die massenweise an den Tankstellen dort verkauft werden, sieht er den Hauptgrund, warum in der Region mehr Menschen an Lungenkrebs erkranken. Es gebe nicht überdurchschnittlich viele Raucher rund um Trier, sagt er. Vielmehr würden die billigeren Zigaretten Raucher dazu verleiten, mehr zu qualmen. Extra Lungenkrebszentrum: Kurze Wege, schnelle Entscheidungen, individuelle Behandlung, so beschreibt Günther Matheis das neue Lungenkrebszentrum, das er im Trierer Brüderkrankenhaus leitet. Es ist das dritte Spezialzentrum dieser Art in Rheinland-Pfalz nach Koblenz und Mainz. In dem Zentrum arbeiten verschiedene Abteilungen wie etwa die Lungenfachabteilung, die Onkologie, die Herz- und Thoraxchirurgie und die Strahlentherapie. In einer Tumorkonferenz werden für jeden einzelnen Patienten die notwendigen Untersuchungen und die Therapie individuell festgelegt. Die Art der Therapie hängt entscheidend davon ab, wie weit der Lungenkrebs fortgeschritten ist. Je weiter sich der Krebs ausgebreitet habe, desto geringer sei die Heilungschance, sagt Matheis. Nicht allen Patienten kann noch geholfen werden. Daher arbeitet das Zentrum eng mit Palliativmedizinern zusammen, die den Betroffenen die Zeit bis zum Tod möglichst schmerzfrei gestalten sollen. Das Lungenzentrum wird heute ab 17 Uhr im Trierer Brüderkrankenhaus vorgestellt. Mediziner informieren über Diagnose und Therapie.