| 20:35 Uhr

Raus aus der Teilzeitfalle: Jede zweite Frau will mehr arbeiten

Trier. Teilzeitarbeit ist typisch Frau, auch in der Region. Das Problem: Für viele Frauen bedeutet dies eine Sackgasse für ihre Karriere und später eine spärliche Rente. Doch Vollzeit zu arbeiten sei für Frauen schwierig, sagen Fachleute. Sabine Schwadorf

Trier. Teilzeitbeschäftigung ist mitentscheidend für spätere Altersarmut. Beides betrifft Frauen überproportional. Allein in der Stadt Trier bezieht jede vierte alleinerziehende Mutter Hartz IV. Dabei arbeiten viele dieser Mütter. Aber sie müssen mit Geld vom Staat aufstocken, weil ihr Einkommen, zumeist aus Teilzeit- oder Mini-Jobs nicht ausreicht, um sich und die Kinder zu ernähren. "Ich rate allen Frauen, schnellstmöglich wieder eine Vollzeitarbeit anzunehmen", sagt die Frauenbeauftragte der Stadt Trier, Angelika Winter. Dann sei das Risiko kleiner, im Alter kein sicheres Auskommen zu haben.
Dabei wächst die Teilzeitbeschäftigung seit Jahren. Bundesweit liegt sie bei 45 Prozent der Frauen, in der Region Trier laut Arbeitsagentur bei 38,6 Prozent - ohne die Grenzgängerinnen in Luxemburg. Hauptgrund dafür ist die Betreuung von Kindern oder Angehörigen. Dabei führe Teilzeitarbeit "in eine Sackgasse, sowohl für die Karriere als auch für die Arbeitszeitgestaltung in der Zukunft", sagt DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz. Gerade in Jobs mit hohen Qualifikationen seien die Gehaltsunterschiede in der Teilzeitarbeit zwischen Mann und Frau besonders hoch. Von Aufstiegschancen kaum zu reden, wie auch die Unternehmensberatung McKinsey feststellte. Dabei will jede zweite Frau in Teilzeit ihre Arbeitszeit ausweiten, durchschnittlich auf 27 Stunden pro Woche. Dies hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelt. Doch fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und mangelnde Flexibilität des Arbeitgebers hinderten die Frauen daran, so das IAB.
"In Deutschland gibt es eine starke Anwesenheitskultur", kritisiert Martina Josten, Leiterin eines landesweiten Projekts "für eine chancengerechte Arbeitswelt". Nicht nur, dass jemandem nur bei "Anwesenheit von morgens bis abends" Führungsverantwortung zugetraut werde. Alles, was nicht dem Üblichen entspreche, sei für viele Unternehmer "ein Experiment".