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Regierung vermeidet die „Wende“

Regierung vermeidet die „Wende“

Es wird nur allzu gerne benutzt, um die Ereignisse in der DDR im Jahr 1989 zu beschreiben: der Begriff „Wende“. Doch das Wort ist unter Politikern verpönt. Mehr noch: Innerhalb der Bundesregierung gibt es sogar die klare Anweisung, den Ausdruck nicht zu verwenden. Warum nur? Was die Region und auch die Welt, vor 25 Jahren, kurz vor dem Mauerfall sonst noch beschäftigte, lesen Sie hier.

Warum sich Regierung und Politik mit dem Wort schwer tun Die "Wende" ist verpönt Von Hagen Strauß Berlin. Egon Krenz ist Schuld. Der neue Generalsekretär der SED wandte sich am 18. Oktober 1989 nach der Ablösung von Erich Honecker in einer Rede an die Bürger der DDR. Damals sagte er auch: "Mit der heutigen Tagung (des ZK der SED) werden wir eine Wende einleiten."

Das griffige Wort von der "Wende" war damit geboren und setzte sich bei den Bürgern schnell durch. Auch bei denjenigen, die darunter nicht bloß leichte politische Korrekturen wie Krenz verstanden, sondern einen grundlegenden Systemwechsel.

Es waren gerade die Kritiker von Krenz, die eine echte "Wende" einforderten. Viele wunderten sich zudem über den Opportunismus einst Linientreuer und sprachen ironisch von den "Wendehälsen".

Bis heute ist "Wende" wohl der Begriff, der für die meisten Ostdeutschen den fundamentalen Umbruch des Herbstes 1989 am besten widerspiegelt. Das gilt jedoch nicht für die Politik. So sagt der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), er benutze das Wort nicht. "Es ist für mich verdorben, weil Krenz ihn für sich in Anspruch genommen hat."

Darüber hinaus werde der Ausdruck nicht "der historischen Dimension des revolutionären Epochenbruchs von 1989 und 1990 gerecht". Leider, so Thierse weiter, werde das Wort immer noch "gedankenlos" gebraucht.

Selbst bei der Linkspartei hat man Probleme mit der "Wende". Bundestagsvize-Präsidentin Petra Pau betont: "Ich verwende ihn nicht. Ich korrigiere aber auch niemanden, der mir gegenüber von der Wende spricht."

Auch in der Bundesregierung gibt es dazu eine klare Linie - das Wort darf nicht benutzt werden, weil Egon Krenz es damals in die Welt setzte. Die Mitarbeiter des Bundespresseamtes sind beispielsweise angehalten, es nicht in den Publikationen des Amtes zu verwenden. Eine Sprecherin erklärt: "Es erscheint uns angemessen, die Ereignisse des Herbstes 1989, die zur Wiedervereinigung Deutschlands führten, als Friedliche Revolution zu bezeichnen."

So halte es auch das Deutsche Historische Museum und das Haus der Geschichte in Bonn. "Das Bundespresseamt verwendet daher in seinen Publikationen den Begriff Friedliche Revolution." Und das wird schon seit mehreren Jahren so gehandhabt.