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Regressforderungen gegen Ex-Ring-Chef Kafitz

Diesmal wollte er als Zeuge nichts sagen: Ex-Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz – hier am 4. Dezember 2009 im Landtag. Foto: dpa
Diesmal wollte er als Zeuge nichts sagen: Ex-Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz – hier am 4. Dezember 2009 im Landtag. Foto: dpa
Mainz. Der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH leitet zivilrechtliche Schritte gegen den ehemaligen Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz ein. Gleichzeitig wird das vierköpfige Gremium mit drei Ministerialbeamten neu besetzt. Von unserem Redakteur Frank Giarra

In Begleitung seines Anwalts erschien Walter Kafitz, bis zu seiner fristlosen Entlassung im Dezember 15 Jahre Chef der Rennstrecke in der Eifel, am Freitag als Zeuge im Untersuchungsausschuss. Dabei berief er sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, das jedem Zeugen zusteht, wenn er sich selbst oder Angehörige mit seiner Aussage belasten könnte. Gleichzeitig wollte Kafitz eine allgemeine Erklärung abgeben, was ihm der Vorsitzende des Gremiums, Carsten Pörksen, allerdings nicht gestattete.

Kafitz gilt als einer der Hauptverantwortlichen für das Desaster mit dem neuen Freizeit- und Geschäftszentrum am Ring, das aufgrund einer an mutmaßlichen Betrügern gescheiterten Privatfinanzierung und der auf fast 350 Millionen Euro explodierten Baukosten seit eineinhalb Jahren Negativschlagzeilen liefert. Ring-Aufsichtsratschef Ernst Schwanhold bekräftigte im U-Ausschuss die Kritik an Kafitz. Nach TV-Informationen ist ein Beschluss des Aufsichtsrates auf den Weg gebracht, um Regressforderungen zu erheben.

Derweil gibt es im Aufsichtsrat, der erst im Sommer vergangenen Jahres umbesetzt wurde, erneut personelle Veränderungen. Der ehemalige NRW-Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold als Vorsitzender sowie Gernot Mittler (Ex-Finanzminister des Landes) und Friedhelm Plogmann (Ex-Vorstandschef der Landesbank) scheiden aus.

Das Land als 90-prozentiger Gesellschafter der Nürburgring GmbH wird seine drei Posten nicht mit Regierungsmitgliedern, sondern mit Ministerialbeamten besetzen. Wirtschaftsminister Hendrik Hering unterbreitet dem Kabinett heute Vorschläge. Als neuer Aufsichtsrats-Chef ist nach Informationen der Rhein-Zeitung Abteilungsleiter Jochen Langen (CDU, Bingen) im Gespräch.

Zeugen wollen Aussagen verweigern



Unterdessen regt sich im U-Ausschuss Unmut über Krankmeldungen wichtiger Zeugen. So konnten die beiden Geschäftsleute Normann Böhm und Michael Merten, gegen die die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen Betrugsverdachts ermittelt, am Freitag erneut nicht vernommen werden. Sollte es ihrerseits eine weitere Krankmeldung geben, müssen sie laut Beschluss des U-Ausschusses ein amtsärztliches Attest vorlegen. Geschieht auch das nicht, sollen sie vorgeführt werden. Allerdings haben beide über ihre Anwälte schon angekündigt, die Aussage zu verweigern. Eine ehemalige Vertrauensperson (VP) der Polizei, auf deren Aussage CDU und FDP drängen, ist noch bis zum 18. Juli krankgeschrieben. 61 Zeugen haben seit Oktober 2009 im Ausschuss ausgesagt, zehn von ihnen doppelt. Eine Schlüsselfigur, der Kreditvermittler Urs Barandun, konnte mangels Adresse nicht einmal eingeladen werden. Da Barandun, der Investoren versprochen und möglicherweise Schecks gefälscht hatte, Schweizer Staatsbürger ist, kann ihn keiner zum Erscheinen zwingen. Allerdings ermittelt auch gegen ihn die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen Betrugsverdachts.