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Reisende empört: Bahn verriegelt Zugtoilette

Reisende empört: Bahn verriegelt Zugtoilette

Neues Wasser auf die Mühlen der Bahn-Kritiker: Vier TV-Leserinnen, die am Samstag fast drei Stunden lang von Trier nach Köln unterwegs gewesen sind, klagen über chaotische Zustände im Zug. Grund: eine zugesperrte Toilette. Die Bahn bestätigt den Defekt. Die Reisenden seien aber informiert gewesen, und es seien Alternativen aufgezeigt worden.

Trier. Eigentlich sollte die Bahnfahrt von Trier nach Köln mit dem Wochenendticket ein gemütlicher Start in den Betriebsausflug werden. Stattdessen haben Ulrike Horn, Ute Nisius, Anna Vogel und Ulrike Rohde aus dem Hochwald erlebt, was es heißen kann, wenn der Weg zum stillen Örtchen im Zug zwei Stunden und 40 Minuten lang verwehrt bleibt. "Die Toilette war die komplette Fahrt über verschlossen", klagt Ulrike Horn aus Geisfeld bei Hermeskeil. Unschöne Szenen hätten sich daraufhin abgespielt.

"Männer haben in leere Bierflaschen uriniert", berichtet Ulrike Rohde aus dem saarländischen Nonnweiler. Einige Fahrgäste hätten Schweißausbrüche bekommen und seien ganz rot im Gesicht gewesen.

Außer sich sind die vier Arzthelferinnen über eine Durchsage, die während der Fahrt gemacht worden sein soll. "Wer muss, soll am nächsten Bahnhof aussteigen, dort zur Toilette gehen und mit einem anderen Zug weiterfahren", habe es geheißen, berichtet Horn. Sie selbst und ihre Kolleginnen hätten davon nur durch eine Mitreisende erfahren. Auch ein Schaffner der in Trier die Karte entwertet habe, habe kein Wort über eine defekte Toilette verloren.

An der Endstation in Köln haben die vier Frauen ihrem Ärger an einem Bahnschalter Luft gemacht. "Dort hieß es, dass die Toiletten wegen der Reisenden, die zur Loveparade wollten, zugemacht worden seien", sagt Horn. Man habe verdreckte Toiletten befürchtet. Bahnpressesprecher Hartmut Lange bestätigt auf TV-Anfrage, dass in dem Zug, der aus Gerolstein kam und aus drei kürzeren Triebwageneinheiten bestand, in einer Einheit die Toilette defekt gewesen sei. Schon in Trier sei der Defekt bekannt gewesen. Dort habe der Schaden aber nicht behoben werden können - sondern nur in der Werkstatt in Köln. Deshalb habe das Zugpersonal die Fahrgäste auf die defekte Toilette hingewiesen und die Empfehlung gegeben, bei Bedarf die Toiletten in den beiden anderen Einheiten zu benutzen. Da man während der Fahrt nicht von einer Zugeinheit in die andere gelange, könne dieser Wechsel in einen anderen Zugteil nur beim Halten im Bahnhof erfolgen. Lange: "Es wurde nicht gesagt, man solle im Bahnhofsgebäude auf die Toilette gehen und mit einem anderen Zug weiterfahren." Das sei möglicherweise von einzelnen Reisenden missverstanden worden.

"Für die angeblich flapsige und dumme Äußerung einer Kollegin in Köln können wir uns nur entschuldigen", sagt Lange. Zugtoiletten würden nie verschlossen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Sondern nur, wenn sie defekt seien - oder "durch die Vornutzung" eine weitere Benutzung für Reisende unzumutbar geworden sei.