Roland Pofalla - Merkels Mann für derbe Worte

Roland Pofalla - Merkels Mann für derbe Worte

Nach der Verabschiedung der umstrittenen Ausweitung des Euro-Rettungsschirms kommen immer weitere Einzelheiten über den in der Koalition aufgebauten Druck auf Abweichler an die Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt dabei Kanzleramtsminister Roland Pofalla.

Berlin. Dass Ronald Pofalla ab und an das derbe Wort führt, ist bekannt. Der Mann war schließlich lange genug CDU-Generalsekretär, da darf man beim Austeilen nicht immer zimperlich sein. Doch genau das ist offenbar das Problem des Rheinländers: Kritiker glauben, dass Angela Merkels Kanzleramtsminister den Rollenwechsel vom General zum Koordinator der Regierungspolitik auch zwei Jahre danach mehr schlecht als recht geschafft hat. Ein Beleg dafür könnte nun der Ausraster sein, den sich Pofalla gegen den wohl prominentesten Euro-Abweichler in den Reihen der Koalition geleistet haben soll - gegen Wolfgang Bosbach.
Demnach ist der Minister den Unionsfraktionsvize nach einer Sitzung der NRW-Landesgruppe in der vergangenen Woche mit dem Satz angegangen: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Als Bosbach daraufhin auf das Grundgesetz verwies, soll Pofalla geantwortet haben: "Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe." Inzwischen, so Bosbach, habe sich Pofalla in einem Telefonat entschuldigt. "Wir haben uns zu einem Gespräch verabredet und damit ist die Sache für mich erledigt."
Freilich rückt der Vorgang den Umgang mit den Euro-Abweichlern innerhalb der Koalition erneut in ein schlechtes Licht. Während die Fraktionsführungen von Union und FDP auch gestern noch einmal auf Nachfrage beteuerten, dass fair mit den Abgeordneten umgegangen worden sei, gibt es jetzt Stimmen, die vor Mobbing und Beschimpfungen warnen. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), selbst in der Kritik, weil er ohne Absprache mit den Fraktionen zwei Neinsager während der Debatte über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms reden ließ, fühlte sich am Wochenende sogar berufen, Abgeordneten seiner Solidarität zu versichern, "wenn Druck ausgeübt wird".
Pofallas Wutausbruch bestätigt jedenfalls diejenigen, die seit längerem schon das schlechte Klima in der Koalition beklagen. Gerade auf der Führungsebene. Hinzu kommt, dass es inzwischen eine längere Liste an schwarz-gelben Verbal-Entgleisungen gibt. Eine davon wird auch Pofalla zugeschrieben: Der 52-Jährige soll letztes Jahr bei der Sparklausur des Kabinetts den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als "Rumpelstilzchen" abgekanzelt haben. Das wurde zwar seitens der Regierung dementiert. Aber seit sich FDP und CSU gegenseitig als "Wildsau" und "Gurkentruppe" beschimpft haben, traut man den Koalitionären fast jeden Rempler zu.
Als Pofalla noch von 2005 bis 2009 Generalsekretär war, wurde in den Berliner Hintergrundkreisen gerne genüsslich gegen den Parteifreund mit dem ausgeprägten rheinischen Dialekt gestichelt: Schwach, profillos, ohne Linie. Schon damals hieß es, er neige ab und an zu harscher Wortwahl.
Seine Anrufe bei widerspenstigen Christdemokraten sind berüchtigt. Allerdings war er es, der den Modernisierungskurs der Union konsequent forcierte.
24 Stunden muss er seitdem dafür sorgen, dass der Regierungsbetrieb geschmeidig und möglichst geräuschlos funktioniert. Pofalla gibt wohl auch deshalb kaum noch Interviews. Wenn es hakt, hat er die Schwachstellen zu beheben. Seine Kritiker verbreiten gerne, dass ihm das zu selten gelänge und er daher für das schlechte Erscheinungsbild der Regierung verantwortlich sei. Auf der anderen Seite heißt es aber, Pofalla habe sich konsequent eingearbeitet; er sei stets perfekt vorbereitet.
Wie dem auch sei, wenn dem Minister etwas gegen den Strich geht, kann ihm auch schon mal der Kragen platzen. Die Kanzlerin hat das bislang offenbar nicht gestört.

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