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Rüge für Kernkraftwerk Cattenom

Rüge für Kernkraftwerk Cattenom

Nicht ganz schlecht, aber auch nicht gut: So könnte man die Bewertung der französischen Atomaufsicht für das Kernkraftwerk Cattenom zusammenfassen. Vor allem rügt sie, dass die Betreiber im vergangenen Jahr einen Störfall falsch eingeschätzt haben.

Cattenom. Auf 23 von insgesamt 542 Seiten kommt Cattenom vor. Die französische Atomaufsicht ASN beschäftigt sich in ihrem Jahresbericht ausführlich mit dem Kernkraftwerk in Lothringen. Nicht aber, weil aus Sicht der Atomexperten Cattenom besonders störanfällig oder gar unsicher wäre. Sie bewerten die Sicherheit des Atomkraftwerks an der lothringischen Obermosel als mittelmäßig, jedenfalls nicht besonders auffällig.
Doch es gibt auch Kritik an den Kraftwerksbetreibern. Auf Seite 371 beschäftigt sich der Jahresbericht der Atomaufsicht sehr detailliert mit einer zunächst von dem Kraftwerksbetreiber, dem französischen Energiekonzern EDF, als einfachen Zwischenfall eingestufte Panne. Am 18. Januar vergangenen Jahres entdeckten Ingenieure in Cattenom, dass ein Zwei-Euro-Stück großes Ventil an den Zu- und Ablaufröhren der Lagerbecken für abgebrannte Brennstäbe fehlte - und das vermutlich schon seit Inbetriebnahme der Reaktorblöcke zwei und drei, also seit mindestens 21 Jahren.
Die Becken müssen ständig mit Wasser gefüllt sein, damit es nicht zu einer Überhitzung der Brennstäbe kommt. Durch das Fehlen des Ventils hat laut der Atomaufsicht die Gefahr bestanden, dass das Wasser aus den Becken läuft. Unabhängige Experten bezeichneten die Panne damals als bedeutenden Störfall. Cattenom sei knapp an einer Katastrophe vorbeigekommen.
EDF meldete das Fehlen des Ventils der ASN, versicherte aber auf seiner Internetseite, dass dadurch keine Gefahr bestanden habe. Das fehlende Ventil am Becken sei nicht sicherheitsrelevant.
Das sah die Atombehörde anders. Sie stufte den Zwischenfall nachträglich als Störfall der Stufe zwei auf der Störfallskala von null (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung) bis sieben (katastrophaler Unfall) ein. Insgesamt listet die Atomaufsicht 1170 bedeutende Vorfälle in den französischen Atomkraftwerken auf. Sie beträfen die nukleare Sicherheit, den Strahlenschutz und die Umwelt. 149 Vorfälle werden als Zwischenfälle der Stufe eins (Störung) eingestuft. Nur vier werden mit der Stufe zwei (Störfall) klassifiziert. Einer eben in Cattenom.
Schlechte Kommunikation


Die Atomexperten rügen die Betreiber des Kraftwerks allgemein für ihre Kommunikation. Auch der Strahlenschutz für die Arbeiter auf dem Kraftwerksgelände müsse verbessert werden. Vor einem Jahr protestierten Mitarbeiter einer in der Anlage in Cattenom tätigen Fremdfirma unter anderem für einen besseren Schutz. Sie kritisierten, dass die Sicherheitsbedingungen mangelhaft seien.
Insgesamt 48 Inspektionen von Atomexperten fanden laut des ASN-Jahresberichts im vergangenen Jahr in Cattenom und im Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim, dem ältesten Kernkraftwerk Frankreichs, statt.
Die ASN hatte den Betreibern der französischen Kraftwerke bereits im Juni vergangenen Jahres nach dem europaweiten Stresstest von Atomkraftwerken Auflagen zur Verbesserung der Sicherheit in den Anlagen gemacht. Vor allem wurde die mangelnde Erdbebensicherheit der Kraftwerke, auch dem in Cattenom, kritisiert.
Demnach müssen die Kraftwerke zusätzliche Notstrom-Generatoren installieren, und sie müssen dafür sorgen, dass im Falle einer Kernschmelze wie im japanischen Fukushima, der Austritt von Radioaktivität begrenzt wird.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wies in einer Studie darauf hin, dass in Cattenom der Brandschutz nach einem Erdbeben mangelhaft sei. Die Umweltschützer kritisieren, dass die Anlage erst 2025 erdbebensicher gemacht werden soll.