Ruhig Blut

So ist Deutschland. Millionen verfolgen Abend für Abend die neue RTL-Show aus dem australischen Dschungel, lästern und amüsieren sich köstlich über die abgetakelten Promis, die vorgeführt werden und sich zweifelsohne auch gerne vorführen lassen. Kurzum sie unterhalten sich. Und was machen die selbst ernannten Sittenwächter? Sie sehen Tierschutz und Menschenwürde in Gefahr, wollen die Sendung absetzen und den Deutschen den Spaß vermiesen. Wie schon bei der umstrittenen Container-Show "Big Brother" - auch da wurde lautstark lamentiert, passiert ist aber nichts, außer dass die Einschaltquoten durch die anhaltende öffentliche Diskussion nach oben getrieben wurden. Zwischen acht und neun Millionen Menschen fröhnen derzeit täglich ihrer Schadenfreude und ihrem Voyeurismus. Dabei ist die Sendung im Grunde genommen stinklangweilig, denn größtenteils sitzen acht verschwitzte Promis, deren Hoch-Zeit längst vorbei ist oder noch nie da war, nur ums Feuer rum. Aber den Leuten gefällt es. Was ist daran so schlimm? Einzig die Quoten zählen. Und dass sich die drittklassigen Berühmtheiten ganz naiv und ohne Kalkül vor den RTL-Kameras präsentieren und nun geschützt werden müssten, ist Blödsinn. Die Möchtegern-Stars erhoffen sich durch die Show neue Popularität. Warum also die Aufgeregtheit? In ein paar Wochen wird sich der Dampf wieder gelegt haben. Spätestens bei der zweiten Staffel melden sich die Moralapostel wieder zu Wort mit dem gleichen Erfolg und bei der dritten Staffel schaut keiner mehr hin und RTL oder ein anderer Sender wird versuchen, mit einer Sendung mit noch weniger Tiefgang die Gier der Zuschauer zu befriedigen - dann geht die Diskussion wieder von vorne los. b.wientjes@volksfreund.de