Rumpelstilzchen unter sich

Sie beschimpfen sich und geben sich gegenseitig böse gemeinte Spitznamen: die Partner in der schwarz-gelben Koalition. Der smarte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zum Beispiel gilt manchen als Rumpelstilzchen, aber auch andere bekommen ihr Fett weg.

Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nimmt es mit Ironie: "Ich springe den ganzen Tag laut schreiend und krakeelend durch die Lande. Passt scho", grinst der Bayer. Der Mann setzt sich eben nach Leibeskräften ein - mitunter für andere so nervend wie ein "Rumpelstilzchen". Als ein solches soll ihn während der Kabinettsklausur Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) gescholten haben, wie gestern berichtet wird. "Absolut unzutreffend" sei dies, lässt Angela Merkels Gehilfe prompt dementieren. Nur: Das Problem ist nicht der Vergleich an sich, sondern, dass man den Koalitionären inzwischen jede Gemeinheit zutraut. "Mutti", wie die Kanzlerin im Regierungsviertel auch von den eigenen Leuten genannt wird, hat ihre Truppe offenbar nicht im Griff. Weil sie einen anti-autoritären Erziehungsstil pflegt. Und weil Merkel von ihrem Vize Guido Westerwelle genauso wenig Unterstützung erhält wie von CSU-Chef Horst Seehofer.

Westerwelle fehlt derzeit angesichts seines eigenen Absturzes und dem seiner Partei die Kraft, um seine Leute zu bremsen. Und Seehofer lässt sein deftiges, bayerisches Ensemble lieber von der Kette anstatt es anzuleinen. In der Hoffnung auf mehr Profil.

Jeder, wie er will - weil keiner bremst



Es kommt hinzu, dass die Duz-Freunde Guido und Horst die Partei des jeweils anderen als das eigentliche Koalitions-Übel sehen. Auch das hat zu den verkorksten ersten Monaten der Regierung geführt.

Jeder, wie er will, weil keiner wirklich bremst. Das schwarz-gelbe Bündnis ist daher voller "Rumpelstilzchen", voller Koalitions-Rambos, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Neu in der Runde der Treter ist der parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Daniel Bahr. Der geschniegelte FDP-Mann mit der mustergültigen Sprache, gerade mal 33 Jahre alt, ist der Erfinder des "Wildsau-Vergleichs", der in den letzten Tagen für Furore gesorgt hat. Die CSU sei "als Wildsau" aufgetreten, hat er gepoltert, nachdem die Gesundheitspläne des Ministeriums eingestampft worden sind. Die Antwort folgt prompt. Von CSU-General Alexander Dobrindt, auch einer der koalitionsinternen Wadenbeißer mit fehlender Stopp-Taste. Die FDP entwickle sich zur gesundheitspolitischen "Gurkentruppe", keilt er zurück. Angela Merkel fällt zu diesem peinlichen Disput nur ein: Die Wortwahl sei "nicht nachahmenswert". Ob das für die Zukunft nachdenklicher macht?

Allmählich dämmert es selbst den drei Spitzenkräften der Koalition, dass es so nicht weitergehen kann. Wegen der Wähler, und weil man ja ein historisches Sparpaket umsetzen möchte. Gestern hat Seehofer mit Merkel telefoniert, einiges soll bereinigt worden sein. Mit Westerwelle will er auch noch reden. Vielleicht hilft das. Stimmungsaufhellende Treffen der großen drei, auch im Nobelrestaurant, haben die "Rumpelstilzchen" bislang nie zur Ruhe gebracht.