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Rutschende Fracht und wütende Fahrer

Rutschende Fracht und wütende Fahrer

Zu wenige Pausen, ungesicherte Fracht, illegaler Elektroschrott und eine gebrochene Achse: Bei einem landesweiten Kontrolltag hat die Polizei Lastwagen und Busse unter die Lupe genommen. Nicht alle Fahrer bleiben in solchen Situationen ruhig. Unsere Redakteurin war dabei.

Trier/Luxemburg. Gelassen ans Polizeiauto gelehnt, steht der vielleicht 50-jährige Trucker in der Sonne und sieht den Beamten dabei zu, wie sie in seine Führerkabine klettern. Er heißt offenbar Waldemar und ist ein "Brummi mit Herz". So steht es jedenfalls auf Plaketten, die in seinem Fahrerhaus von außen gut sichtbar unterhalb einer roten Miniaturgardine mit goldenen Troddeln angebracht sind.
Drinnen fällt der Blick als Erstes auf einen großen Pin-up-Kalender. Doch der interessiert die Beamten nicht. Sie sind damit beschäftigt, einen Apparat oberhalb des Fahrersitzes auszulesen, der ein bisschen wie ein Autoradio aussieht.
Er spuckt Bons aus, die den Polizisten verraten, ob Waldemar, der gegen drei Uhr nachts losgefahren ist, sich an die vorgeschriebenen Ruhezeiten gehalten hat.Kaputte Achse


Bei mehr als der Hälfte der Lastwagen, die sich die Polizisten beim landesweiten Kontrolltag aus dem fließenden Verkehr auf der A 64 zwischen Trier und dem luxemburgischen Grenzübergang herauspicken und zum Parkplatz Markusberg lotsen, werden sie fündig: Mal ist die Ladung schlecht gesichert, mal fehlen wichtige Papiere, mal ist der Fahrer zu lange am Steuer. Bei einem LKW ist eine Achse kaputt, so dass er deutlich erkennbar durchhängt. Bei anderen beult sich die Plane aus. Nach Auskunft von Walter Schindler vom Schwerverkehrskontrolltrupp ein Zeichen dafür, dass Ladung umgefallen ist. Oft sei es aber auch einfach ein Bauchgefühl, das die Beamten dazu bringe, die Lastwagen aus dem Verkehr zu ziehen.
Während Waldemar in seinen bequemen Joggingklamotten, am Auto lehnend, weiterhin gelassen in die Sonne blinzelt, dringen von der anderen Seite des Parkplatzes plötzlich laute Stimmen herüber. "Wo bitte steht das?", blafft ein aufgebrachter Lastwagenfahrer, der ebenso wütend wie ratlos vor seinem seitlich geöffneten, mit Spanplatten beladenen LKW auf und abläuft und die Polizisten mit giftigen Blicken beschießt. "Wo bitte steht, dass ich eine Antirutschmatte da drunter legen muss?", fragt er erneut mit Blick auf die meterhohen Spanplattenstapel und die ungenutzt im hintersten Ladebereich liegenden Gummimatten. "Ja, wenn Sie das nicht wissen …", schnauzt der Beamte zurück, ehe er dem Mann in sachlichem Ton erklärt, dass die Ladung nicht ordentlich gesichert ist und der LKW die Fahrt erst dann fortsetzen darf, wenn sich daran was geändert hat. Der Fahrer scheint nicht glauben zu können, dass die Polizisten es ernst meinen, läuft weiter schimpfend auf und ab, verlangt, dass die Beamten seine Spedition anrufen, dass sie das alles regeln. Offenbar immer noch hoffend, dass er die logischen Konsequenzen der Kontrolle nicht tragen muss.
Und die sehen so aus: Irgendwie muss er einen Gabelstapler heranschaffen, tonnenweise Spanplatten ausladen, Matten auslegen und alles wieder einladen. Viel zu spät wird er am Zielort ankommen.
"Die Fahrer stehen unter einem riesigen Zeitdruck", sagt Schindler. Nicht selten klingele, kaum dass ein LKW gestoppt worden sei, das Handy. Denn viele Speditionen könnten per GPS verfolgen, wo sich ihre Leute befinden, und wollten dann wissen, was los ist. Nicht nur beim Fahren, auch beim Einladen muss alles schnell gehen - ein wichtiger Grund dafür, dass bei den Kontrollen so häufig etwas zu beanstanden ist.
Bei Waldemar hingegen ist alles in Ordnung. Nach einer Pause im Sonnenschein klettert der Trucker in sein fahrendes Wohnzimmer mit den rot-goldenen Gardinen, den Pin-ups und der Plakette, die ihm bescheinigt, ein Brummi mit Herz zu sein - und macht sich wieder auf den Weg.Extra

 49 Fahrzeuge hat die Polizei auf dem Parkplatz Markusberg kontrolliert und dabei 40 Verstöße festgestellt. TV-Foto: Friedemann Vetter
49 Fahrzeuge hat die Polizei auf dem Parkplatz Markusberg kontrolliert und dabei 40 Verstöße festgestellt. TV-Foto: Friedemann Vetter

Beim landesweiten Kontrolltag am Dienstag waren auch 21 Beamte des Polizeipräsidiums Trier im Einsatz - vor allem auf der A 64 zwischen Trier und Luxemburg. Sie überprüften 49 Fahrzeuge, darunter drei Reisebusse, fünf Abfalltransporter und einen Tiertransport. 27 Mal hatten die Fahrer sich nicht an die Ruhezeiten gehalten. Sieben Fahrzeuge wurden wegen technischer Mängel beanstandet. Bei zweien waren die Mängel so gravierend, dass die Weiterfahrt zunächst untersagt wurde: Ein LKW hatte defekte Bremsen, bei einem anderen war der Rahmen gebrochen. Fünf Trucks wiesen erhebliche Mängel bei der Ladungssicherung auf. Erst nachdem die Fahrer diese beseitigt hatten, durften sie weiterfahren. Bei einem Abfalltransport aus Spanien, dessen Ladung aus Elektronikschrott bestand, wurde ein Strafverfahren wegen des Verdachts der illegalen Abfallbeseitigung eingeleitet. Die Ertappten müssen mit hohen Bußgeldern rechnen. kah