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Ich war vor zehn Jahren mit an Bord - beim ersten Flug einer Ryanair-Maschine vom Hahn nach London. Die irische Fluggesellschaft, damals allenfalls Experten ein Begriff, hatte Journalisten zu einem 24-Stunden-Werbe-Tripp in die britische Hauptstadt eingeladen: Hinflug, Pressekonferenz, Stadtrundfahrt, Abendessen, Rückflug.



Woran ich mich noch gut erinnere: Mein Hotelbett habe ich seinerzeit nicht benutzt. Nach dem Abendessen ging's an die Hotel-Bar und nach deren Schließung gleich wieder im Skytrain zum Flughafen Stan-sted, um die Früh-Maschine zum Hahn zu bekommen.

Zwei Flüge täglich London-Hahn und zurück bot Ryanair damals an. Das Ticket für den Hin- und Rückflug kostete 99 Mark, hinzu kamen 60 Mark für Steuern und Gebühren. Das war der Einführungspreis für die ersten drei Monate. Danach sollte der Preis auf 199 Mark steigen. Billig-Fluggesellschaft nannte sich Ryan air damals schon, obwohl es für 200 Mark auch bei British Airways und Luxair Billig-Tickets gab. Der frühere US-Flugplatz Hahn erwachte damals gerade erst aus seinem Dornröschenschlaf. Spanair flog einmal die Woche nach Mallorca, Sun Express zweimal wöchentlich nach Istanbul. Parken war 1999 noch gratis, und eingecheckt wurde in einer provisorisch umgebauten Baracke an der Zufahrt zum Flugplatzgelände. Die zwei Kilometer zum Rollfeld fuhren die Passagiere im Bus; der hielt direkt neben der Maschine.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Was der Hahn in dieser Zeit für Sprünge gemacht hat, verdeutlicht am ehesten ein Blick aufs Passagier-Aufkommen: 32 000 Menschen jährlich starteten oder landeten damals vom Hahn, heute sind es vier Millionen. Und London ist nur eines von 52 Flugzielen, die von dem Hunsrück-Flughafen inzwischen angeflogen werden.

Rolf Seydewitz