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Saar-Lor-Lux so bedeutend wie Berlin oder Barcelona

Trier. Die wirtschaftliche Entwicklung der Großregion ist vorbildlich. Das geht aus einer Studie hervor, die auf dem Gipfel der Großregion im saarländischen Völklingen vorgestellt worden ist. Von unserem Redakteur Bernd Wientjes

Die Großregion braucht sich hinter Metropolen wie Berlin, Barcelona oder Oslo nicht zu verstecken. "Die wirtschaftliche Dynamik Berlins ist sogar mickrig im Verhältnis zu der Dynamik der Großregion", sagt der Geograf und Stadtplaner Tobias Chilla von der Uni Luxemburg. Er leitete das Forschungsprojekt Metroborder, mit dem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Perspektive innerhalb der Regionen Hochrhein und Saar-Lor-Lux untersucht wurden.

Beim Gipfel der Großregion im saarländischen Völklingen wurde nun beschlossen, dass die Ergebnisse der Studie Basis für eine gemeinsame Raumordungsplanung sein sollen. "Die Großregion ist ein Musterbeispiel für eine Metropolregion", sagt Chilla. Die grenzüberschreitenden Verflechtungen seien hier weiter fortgeschritten als in vergleichbaren Regionen. Als Beispiel nennt er den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt und die täglichen Pendlerströme vor allem nach Luxemburg.

Der saarländische Noch-Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sieht in der Großregion sogar die größte Grenzgängerregion innerhalb der EU. Über 200 000 Arbeitnehmer aus dem Saarland, Lothringen, Luxemburg, der Region Trier und aus Belgien pendelten täglich über die jeweiligen Grenzen, so Müller bei Gipfeltreffen in der saarländischen Hüttenstadt.

Auch die Tatsache, dass 15 Prozent des Einzelhandelsumsatzes in Trier durch Luxemburger Kunden gemacht werde, spreche für die wirtschaftliche Verzahnung der seit 40 Jahren zusammenarbeitenden Großregion. Die allerdings sei noch nicht in allen Köpfen angekommen. Es fehle vor allem eine gemeinsame Identität, auch die politische Zusammenarbeit könne noch besser sein, stellt Chilla fest. Grund dafür sei, dass anders als etwa in der Region Hochrhein, wo mit der Schweiz und Deutschland nur zwei Länder kooperieren müssten, in der Großregion gleich vier Länder zusammenarbeiten müssten. "Die Herausforderungen hier sind größer als anderswo", sagt der Forscher. Für ein noch engeres Zusammenwachsen zu einer echten Metropole sei es nötig, dass nicht immer nur zwei Regionen wie etwa Trier und Luxemburg oder das Saarland und Lothringen enge Verbindungen hätten. Wichtig dafür sei der Ausbau der Verkehrsanbindungen, etwa eine bessere Zugverbindung von Trier nach Brüssel und nach Straßburg. Der Gipfel hat beschlossen, den Nahverkehr zu harmonisieren und einheitliche, grenzüberschreitende Kunden-Informationssysteme und Fahrplanauskünfte zu schaffen.

Laut Chilla hat die Großregion gute Perspektiven auch in Konkurrenz zu größeren Metropolen. An wirtschaftlicher Dynamik sei sie bereits heute ganz weit vorne.

Extra
Gipfel der Großregion: Alle zwei Jahre treffen sich die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, dem Saarland. Luxemburg und der Deutschen Gemeinschaft in Belgien sowie der Präsident Lothringens zum Gipfel der Großregion. Beim 12. Gipfel in Völklingen wurde beschlossen, ein gemeinsames Sekretariat in Luxemburg noch in diesem Jahr einzurichten. Außerdem soll sich eine Arbeitsgruppe um die Probleme der Pendler mit den unterschiedlichen Arbeits-. Sozial- und Steuersystemen kümmern. Die Luxemburger Gewerkschaften sehen in den Beschlüssen keinen Fortschritt für die Grenzgänger, vor allem was den grenzüberschreitenden Nahverkehr und die Kürzung der Familienzulagen für Luxemburg-Pendler angeht. Für die nächsten zwei Jahre hat Lothringen den Vorsitz für die Großregion. (wie)