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Schausteller trifft die Pandemie besonders hat.

Corona : Warten, bis Riesenräder sich wieder drehen

Der Schausteller Oskar Bruch schreibt einen Brandbrief an die Bundeskanzlerin: Wir möchten wieder arbeiten.

Ein Auto-Scooter für 8000 Euro, ein Riesenrad für 125 000 Euro, ein Imbiss-Verkaufswagen für 9800 Euro. Auf der Internetseite schausteller.de finden sich zahlreiche Angebote von Jahrmarktbeschickern und Schaustellern. Sie verkaufen ihre Karusselle, Automaten und Verkaufsstände. Weil sie Geld brauchen. Weil sie aufgeben müssen. Die Corona-Pandemie zwingt sie in die Knie. Das Verbot von Festen und Weihnachtsmärkten im vergangenen Jahr und zum Teil bereits in diesem Jahr komme einem Berufsausübungsverbot gleich, sagt Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Schaustellerbund (DSB). Das Verbot bedeute für eine große Anzahl seiner Mitglieder einen kompletten Einnahmeausfall, viele seien vom Untergang bedroht.

Seit Dezember 2019 haben die meisten Schausteller keine nennenswerten Umsätze mehr gemacht. Da fanden die letzten Weihnachtsmärkte statt. Schätzungen gehen davon aus, dass durch die 3000 deutschen Weihnachtsmärkte jährlich ein Umsatz im Milliardenbereich gemacht wird. In Bernkastel-Kues rechnet man, dass es durch den jährlichen Weihnachtsmarkt bis zu 20 000 zusätzliche Übernachtungen in der Stadt gibt. In Trier schätzt man, dass es im Dezember bis zu 40 000 Übernachtungen gibt.

Das zeigt, dass die Absage der über 10 000 Volksfeste in Deutschland und der Weihnachtsmärkte nicht nur die Schausteller trifft. Es ist dadurch auch ein volkswirtschaftlicher Schaden entstanden.

Die Schausteller verlangen nun, wie die anderen von den Corona-Maßnahmen betroffenen Branchen, endlich eine Perspektive, wie und wann es weitergehen kann.

In einem emotionalen Brief wendet sich der Schausteller Oscar Bruch, dessen Unternehmen auch für die Ausrichtung des  Trierer Weihnachtsmarkt verantwortlich ist, an die Bundeskanzlerin und die 16 Ministerpräsidenten. Das Riesenrad Sky Lounge Wheel von Bruch stand im vergangenen Jahr mehrere Wochen in Trier am Zurlaubener Moselufer. „Uns zittern die Hände, während wir diese Zeilen schreiben, da sich für uns momentan – ohne zu übertreiben – existentielle Fragen stellen. Es geht um die Existenz unserer gesamten Branche, in die wir meist hineingeboren worden sind.“

Die Perspektiven für die Schaustellerfamilien und deren Mitarbeiter seien düster, schreibt Bruch in dem offenen Brief an die Politiker. Er und seine Kollegen sähen gerade wie „die meisten Lebenswerke, die über Generationen aufgebaut wurden, jämmerlich und hilflos zugrunde gehen“.

Und weiter: „Wir leihen uns Geld bei Eltern und Freunden, uns werden Konten von Krankenkassen oder dem Finanzamt gesperrt, und ein großer Teil von uns ist hart verschuldet, weil die angekündigten Hilfen von November und Dezember 2020 immer noch nicht ausgezahlt worden sind.“

Die Schausteller hätten ihren Teil zum Wohlstand des Landes beigetragen. „Wir benötigen einen Plan. Ohne Aufschub. Wir möchten alle wieder öffnen, arbeiten!“ Volksfeste seien sicherer als öffentliche Plätze und Fußgängerzonen.

Allerdings scheinen die Aussichten zumindest für die Frühjahrsfeste auch in diesem Jahr nicht so gut zu sein. Viele Ostermärkte sind bereits abgesagt. Einige Feste, die im Mai oder Juni stattfinden sollten, wurden zunächst einmal verschoben. Auch der Termin der beliebten Kölner Lichter, das Feuerwerksspektakel auf dem Rhein, das in normalen Zeiten Zigtausende in die Domstadt lockt, ist von 10. Juli auf unbestimmte Zeit verschoben.

In der Region ist zum zweiten Mal in Folge der Beda-Markt in Bitburg von der coronabedingten Absage betroffen. Es ist zu vermuten, dass weitere Feste und Veranstaltungen im Laufe des Jahres folgen werden.