1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Schlampereien beim "Zivi"-Ersatz: "Bufdis" haben das Nachsehen

Schlampereien beim "Zivi"-Ersatz: "Bufdis" haben das Nachsehen

Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst (BFD) bleiben auf absehbare Zeit schlechter gestellt als die Nutzer des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Einstweilen haben sie kein Anrecht auf Kindergeld und auch keine Vorteile bei der Studienplatzvergabe. Die Opposition kritisiert diesen Zustand scharf.

Berlin. Der zum 1. Juli eingeführte Bundesfreiwilligendienst kommt nur schleppend in Gang. Für den Ersatz zum ausgelaufenen Zivildienst haben sich Medienberichten zufolge bislang nur etwa 6000 Teilnehmer gemeldet. Insgesamt stehen 35 000 Plätze zur Verfügung.
Dagegen kann sich das etablierte, von den Ländern organisierte Freiwillige Soziale Jahr vor Interessenten kaum retten. Laut Bundesarbeitskreis FSJ gibt es bis zu 60 000 Bewerber - für ebenfalls maximal 35 000 Plätze.
Dabei ist die Bezahlung identisch. Sowohl "Bufdis" als auch FSJler bekommen monatlich 320 Euro Taschengeld. Allerdings gehen "Bufdis" beim Kindergeld noch leer aus, FSJler dagegen nicht. Zu einer Gleichstellung soll es erst im November per Gesetz kommen.
Das bedeutet in der Praxis: Es kann zwar jetzt ein Antrag bei den Familienkassen gestellt werden, aber zu einer rückwirkenden Auszahlung des Kindergeldes kommt es erst dann, wenn das entsprechende Gesetz in Kraft ist. Darauf weist auch die Bundesagentur für Arbeit in einer Information an ihre Dienststellen hin. Eine Familie mit einem erwachsenen Kind muss demzufolge mindestens fünf Monate ohne Kindergeld auskommen. Das sind immerhin 920 Euro. Nicht jede Familie kann das verkraften.
Genauso unbefriedigend ist die Tatsache, dass FSJler aufgrund ihres Dienstes später bei der Studienzulassung begünstigt werden, dergleichen aber für die "Bufdis" nicht gilt.
Der Bund fühlt sich dafür nicht zuständig. "Die Berücksichtigung eines abgeleisteten Bundesfreiwilligendienstes bei der Studienzulassung liegt in der alleinigen Verantwortung der Länder", heißt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Grünen. Ihr jugendpolitischer Sprecher Till Seiler zeigte sich darüber empört: "Damit stiehlt sich die Regierung aus der Verantwortung".
Länder nicht im Bilde


Auch SPD-Fraktionsvize Dagmar Ziegler reagierte mit Unverständnis: "Nichts ist mit den Ländern besprochen. Dabei brauchen wir diesen Anreiz", sagt sie unserer Zeitung.
Derweil glaubt das Bundesfamilienministerium zumindest in Sachen Kindergeld eine unkonventionelle Lösung gefunden zu haben: "Wir stellen es den Einsatzstellen der Bundesfreiwilligendienstleistenden anheim, mit den Fördermitteln des Bundes das Kindergeld vorzustrecken", sagte eine Sprecherin gestern auf Nachfrage. Den Einsatzstellen sei bekannt, dass sie das könnten.
Offenbar aber nicht allen. Zumindest bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigte man sich darüber gestern auf Nachfrage erstaunt. Dagegen war der Caritas-Verband über die Möglichkeit im Bilde.