Schmerzhaft, aber notwendig

Vom Roten Kreuz bis zum Handball-Verband, von der Volksbank bis zur evangelischen Kirche: Überall in der Region sind Umstrukturierungen angesagt. Statt irgendwann unkontrolliert zu schrumpfen, wollen viele Institutionen den unvermeidlichen Wandel selbst gestalten.

Trier. (DiL) "Die Sache ist nicht immer einfach, vor allem für die Älteren". Herbert Tschickardt hat Erfahrung mit Fusionen und Zusammenschlüssen. Der Obermeister aller Handwerker in der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg hat in den letzten Jahren viele Veränderungen miterlebt. Fleischer und Friseure, Maler und Elektriker: Längst leisten sie sich nicht mehr den Luxus der Zersplitterung in etliche Kreisverbände. Und zwischen Bernkastel und Prüm hat sich sogar die gemeinsame Dachorganisation "MEHR" etabliert, die 1200 Mitgliedsbetriebe in der Mosel-Eifel-Hunsrück-Region vereint. "Ohne Synergie-Effekte müssten wir weitaus höhere Beiträge verlangen", sagt Tschickardt. Deshalb seien die Umstrukturierungen "meist im Konsens gelaufen, auch wenn sie wehtun".

Das klingt beim Trierer Sparkassen-Direktor Remigius Kühnen nicht viel anders: "Ohne den Zusammenschluss und den dadurch möglichen Effektivitäts-Gewinn wären wir heute nicht mehr wettbewerbsfähig", vermutet der Bänker. Er hat das Kunststück fertiggebracht, den Stellenplan der ehemaligen Stadt- und Kreissparkasse um 20 Prozent zu reduzieren, ohne Entlassungen und ohne negative Begleit-Geräusche. Der EDV-Fortschritt habe vieles möglich gemacht, ebenso wie der Abbau von Doppelbesetzungen und Einfach-Tätigkeiten wie Botendiensten.

Auch die Volks- und Raiffeisenbanken der Region haben sich neu aufgestellt. Trier und Schweich, Bitburg und Neuerburg, Bernkastel-Wittlich und Cochem sind jetzt jeweils vereint und melden positive Bilanz-Entwicklungen. Aber auch Sozialverbände sehen die Notwendigkeit für zentralere Strukturen. Musterbeispiel: Das DRK fusionierte vor wenigen Monaten seine Organisation in der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg. Mit dem neuen, größeren Gebilde sei man "bestens für die Anforderungen der Zukunft gerüstet", lobt Landespräsident Rainer Kaul seine Rotkreuzler vor Ort.

Auch die Kirchen ziehen Konsequenzen



Selbst die Sportverbände haben sich längst auf die Zukunfts-Anforderungen in einer sich verändernden Region eingestellt. Die Fußballer beschränken sich schon seit Jahren auf drei Sportkreise im ehemaligen Regierungsbezirk Trier, und das hauptamtliche Personal residiert komplett beim Fußballverband Rheinland in Koblenz. "Der Zuschnitt unserer Einheiten ist gut", sagt FVR-Präsidiumsmitglied Bernd Marx aus Krettnach. Bei den Handballern hat man die Bezirksverbände vor wenigen Jahren komplett dem Dachverband zugeschlagen.

Unter mächtigem Ächzen sind auch die Kirchen dabei, die Konsequenzen aus zurückgehenden Mitgliederzahlen und schwindenden Finanzen zu ziehen. In Trier hat die evangelische Kirche jüngst angekündigt, ein Gotteshaus und ein Gemeindezentrum zu schließen. Angesichts des demographischen Wandels sei das die "einzige Möglichkeit", verkündete das Presbyterium. Sogar einen Kirchen-Abriss nimmt man in Kauf.

Die Realitäten akzeptieren, aber die Ansprüche nicht aufgeben, so umreißt Martin Lörsch vom Bistum Trier die Quadratur des Kreises. Seit vier Jahren arbeitet man an der Umsetzung des "Projekts 2020", das jährliche Einsparungen von 30 Millionen Euro und eine Reduzierung um 160 Stellen garantieren soll. "Wir basteln noch", sagt Lörsch freimütig. Aber man ist mit Ernst und Konsequenz bei der Sache, auch wenn es bedeutet, dass man "manche Erbhöfe schleifen muss". Wichtig sei gewesen, "dass der Bischof klar dahinter stand". Die Chef-Etage dürfe "nicht wackeln, auch wenn es stürmt".

Vielleicht ist das auch die Erklärung, warum in der Kommunalpolitik ähnlich drastische Schritte auf sich warten lassen, obwohl die Finanzlage und die Bevölkerungs-Prognosen sie nahe legen. Bei der Stadtverwaltung Trier und der Kreisverwaltung Trier-Saarburg sind die Mitarbeiterzahlen in den letzten Jahren sogar noch gestiegen. Die Personal-Ausstattung sei angesichts erhöhter Leistungs-Anforderungen ohnehin "auf unterstem Level", sagt Ralf Frühauf von der Stadtverwaltung Trier, die 1500 Voll- und Teilzeit-Mitarbeiter beschäftigt.

Und sein Kollege Thomas Müller vom Landkreis verweist auf die "vermehrte Aufgabenzuweisung, vor allem im Jugend- und Sportbereich".

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