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Schmutzige Seifenoper bei den Linken

Schmutzige Seifenoper bei den Linken

Der Streit bei den Linken geht weiter. Gregor Gysi rückt nach erfolglosem Schlichtungsversuch nun auch von Oskar Lafontaine ab. Eine Lösung in der Führungsfrage der Partei ist nicht in Sicht.

Berlin. Das Stück, das die Linke seit über einer Woche aufführt, hat alle Zutaten für eine schmutzige Seifenoper. Es sind keine guten, eher sehr schlechte Zeiten für die Partei. Zwei bissige Möchtegern-Vorsitzende, Oskar Lafontaine und Dietmar Bartsch, die sich nicht ausstehen können, ein erfolgloser Moderator, Gregor Gysi, und ein amtierender Chef, Klaus Ernst, der das Tohuwabohu noch befeuert, anstatt es in geordnete Bahnen zu lenken.
Am Sonntagabend wurde die Fortsetzung gedreht. Lafontaine, Bartsch und Ernst trafen sich in einem Berliner Nobelrestaurant, um unter sechs Augen über die Krise der Partei im Allgemeinen und die ungeklärte Führungsfrage im Besonderen zu beraten. Eine Annährung brachte das Treffen nicht. Lafontaine setzte sogar noch einen drauf, indem er nach Angaben von Ernst klarstellte, dass er auch auf die Spitzenkandidatur für die nächste Bundestagswahl verzichte, sollte er nicht Parteichef werden.
Zur Erinnerung: Nach der verlorenen Landtagswahl in NRW hatte Lafontaine wissen lassen, nur dann für den Chefposten der Linken anzutreten, wenn Bartsch seine bereits im November angekündigte Kandidatur dafür zurückzieht. Bartsch denkt aber nicht im Traum daran.
Ein zwischenzeitlich diskutierter und von Fraktionschef Gregor Gysi befürworteter Kompromiss, wonach Lafontaine Chef und Bartsch Bundesgeschäftsführer werden solle, wurde am Sonntagabend erst gar nicht angesprochen.
Das veranlasste Gysi gestern zu einer geharnischten Pressemitteilung, aus der hervorgeht, dass nun auch offenbar das Tischtuch zwischen ihm und Lafontaine zerschnitten ist. Beide waren lange Zeit die Zugpferde der Linken und galten als unzertrennlich. Damit schaukelt sich der Konflikt weiter hoch. Und der amtierende Parteichef Ernst goss gestern auch noch Öl ins Feuer, indem er praktisch alle Lafontaine-Kritiker bei den Linken als "destruktive Kräfte" bezeichnete. Setzten sich diese durch, werde die Linke "schwächer, als es die PDS je war", warnte Ernst. vet