Schock mit Folgen

Der Pisa-Schock vor zwei Jahren war zweifellos heilsam: Auch unter Bildungspolitikern scheint dadurch inzwischen die bereits legendäre Erkenntnis eines früheren Bundeskanzlers gewachsen zu sein, dass entscheidend ist, was hinten rauskommt. Das war bei deutschen Schülern bisher alles andere als überzeugend. Bildungsstandards sind ein vernünftiger Weg, sich Ziele zu setzen. Umgekehrt muss den Schulen aber auch Leine gelassen werden, auf welchem Weg eben diese Vorgaben erreicht werden. Was nützt das lange Exerzieren mit Sinus und Cosinus, wenn der grundlegende Umgang mit Zahlen nicht beherscht wird? Pisa hat der bereits totgesagten Kultusministerkonferenz ein letzte Chance gegeben, die Schule gemeinsam voranzubringen. Der Mainzer Bildungsministerin Doris Ahnen muss dabei zugute gehalten werden, dass sie in vielen Bereichen von Qualitätsanforderungen bis zur Ganztagsschule bereits eine Vorreiterrolle übernahm, noch bevor die Vergleichstudien einige ihrer Kollegen wachrüttelten. Doch die Kultusminister müssen über mehr als Bildungsstandards und abgespeckte Lehrpläne nachdenken. Noch immer steht die Pisa-Erkenntnis, dass im streng gegliederten deutschen Schulsystem die sozial Benachteiligten und Leistungsschwachen die Verlierer sind. Diesen Punkt muss Ahnen stärker in die Mitte rücken. nachrichten.red@volksfreund.de