"Schönerlieben": Erster Erotikshop in Deutschland mit christlichen Werten

Mit „christlichen Werten“ : Sexshop mit „christlichen Werten“ auf Weltkirchentag

Auf den ersten Klick sieht alles aus wie in einem herkömmlichen Online-Sexshop - nur ohne nackte Haut. Wer Tiger-Tangas oder entblößte Brüste erwartet, der sucht vergeblich. Nicht nur das ist den Gründern wichtig.

Es muss nicht immer gleich nackte Haut und offensive Erotik sein. Das haben sich zumindest die Macher der Seite „schoenerlieben.de“ gedacht. Dort finden sich allerhand Sexspielzeuge sowie Drogerieartikel und Literaturtipps rund um das Thema Erotik. Die Seite ist in roter und weißer Farbe gestaltet. Es gibt nur wenige Bilder. Darauf ist keine nackte Haut zu sehen. Das ist für einen Sexshop dann doch eher ungewöhnlich.

Dahinter steckt ein neues und nach Angaben der Macher einmaliges Konzept: „Schöner lieben“ ist der erste Erotikshop in Deutschland mit christlichen Werten. Ähnliche Konzepte gibt es in den Niederlanden und den USA. Davon haben sich vier junge Männer inspirieren lassen. Die Idee kam den Bielefeldern vor einigen Jahren. Bei einer Diskussion um mögliche Geschäftsideen stand der Vorschlag plötzlich im Raum, erinnern sich die Mitglieder evangelischer Freikirchen. Alle sind um die 30 Jahre alt. Zwei von ihnen sind verheiratet, einer hat eine Freundin, der vierte im Bunde ist Single. Für den weiblichen Blickwinkel holen sich die Männer regelmäßig Tipps von ihren Angebeteten.

Startschuss für die Website war der Reformationstag 2017. Regelmäßig feilt das Team an den Formulierungen der Philosophie. Die ist nämlich das A und O, erklären die Gründer. „Der sinnliche Shop mit christlichen Werten“, heißt es auf der Website. „Keine Nacktheit, keine Pornografie“, erklärt einer der Gründer, Timon Rahn, das Motto. Interessierte sollen sich in Ruhe auf der Seite umsehen, ohne ständig von nackten Damen abgelenkt zu sein. „Egal ob dick oder dünn, schwarz oder weiß, jeder soll sich abgeholt fühlen“, erklärt Rahn.

Der Fokus liegt auf dem Vorspiel - und zwar innerhalb der Beziehung. Treue ist den Gründern ein wichtiger Aspekt. Das ist für die Vier ein wichtiger christlicher Wert. Sie möchten den Kunden keine Richtlinien für Sexualität geben. Stattdessen möchten sie Paaren Angebote machen, „mal über den Tellerrand hinauszuschauen“. „Unser Sexshop bietet viel mehr als Dildos“, betont das Team.

Das Angebot richtet sich an junge Pärchen, Ehepaare, Singles, Christen und Nicht-Christen. Etwa 100 Leute pro Tag besuchen die Seite, sagen die Betreiber. Von dem Shop leben können sie noch nicht. Das Geschäft unterhalten die Jungunternehmer neben ihren eigentlichen Berufen. Drei der Männer betreiben eine Grafikagentur, einer studiert.

Während Freunde und Familie positiv auf das Geschäftsmodell reagierten, habe es zumindest in der früheren Gemeinde von Mitgründer Gerhard Peters Diskussionen gegeben. Heute ist keiner mehr in einer Gemeinde aktiv. So richtig gut kam die Idee dort nirgendwo an. Dabei soll das Konzept des Shops weit über den Verkauf hinausgehen. Das Gründer-Team wünscht sich eine breite öffentliche Diskussion zu Sexualität - auch in christlichen Kreisen. In Gemeinden sei das Thema überwiegend Neuland, erklärt Rahn und ergänzt: „Wir wollen das Thema aus der Schmuddelecke ziehen.“ Aktuell plant die Truppe einen Blog zu Themen wie „Sex und Wechseljahre“ oder „Erogene Zonen“.

Auch in den sozialen Netzwerken ist der Sexshop mit der christlichen Note zu finden. Dort gibt es ebenfalls keine Spur von entblößten Brüsten oder Tiger-Tangas. Stattdessen Bilder von Landschaften und verliebten Pärchen. Als Werbeplattform lassen sich die Seiten nur bedingt nutzen, erklärt das Sexshop-Team. Facebook und Co. verbieten die Vermarktung erotischer Inhalte und Produkte.

Deswegen ist das Start-up-Unternehmen auf Veranstaltungen angewiesen. Besonders erfolgreich sei der Auftritt bei dem christlichen Musikfestival „Freakstock“ im vergangenen Jahr gewesen, berichten die jungen Gründer stolz. Dort hatten sie einen Stand aufgebaut. Viele Menschen seien stehengeblieben, gute Gespräche entstanden. Spätestens da war klar: „Der Bedarf ist riesig“, erzählen Rahn und seine Kollegen.

Darauf wollte das Gespann aufbauen. Die Männer schickten eine Bewerbung zum diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Das Team wünschte sich einen Stand auf der sogenannten „Messe im Markt“. Dort sind kommerzielle Initiativen wie etwa Werke und Dienstleister im kirchlichen Bereich vertreten. Ihr Profil sollte es ihnen erlauben, sich mit dem Leitwort und Geist des Kirchentages zu identifizieren. So steht es auf der Internetseite des Kirchentages.

Erst haben die Gründer eine Absage erhalten. Nachdem beim Bewerbungsschreiben noch Fragen offengeblieben waren, hatten sie ein Konzeptpapier erarbeitet. Von den Organisatoren hieß es dann, die Projektleitung prüfe den Vorgang noch einmal. Bis vor kurzem sei noch offen gewesen, wo der „Schöner lieben“-Stand platziert werden soll, erklärt der Pressesprecher des Kirchentags, Stephan von Kolson.

Jetzt gab der Kirchentag doch grünes Licht für „Schöner lieben“. Sexualität spiele eine „Riesenrolle“ auf dem diesjährigen Protestantentreffen in Dortmund, kündigte von Kolson an. Geplant seien unter anderem ein Podium zum Thema „Schöner kommen. Zur Sexualität von Frauen“ sowie ein Workshop „Vulven malen“. Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni statt.

(skr/epd)
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