Schönwetter-Stimmung

Gipfeltreffen haben bereits in der Vergangenheit Chancen geboten, die gerne angenommen wurden - wie zum Beispiel, bestehende Differenzen durch die geballte Kraft optischer Harmonie zu überdecken. Auch der Weltwirtschaftsgipfel in Evian bildet keine Ausnahme.

In den meisten Teilnehmerländern zeigt sich die Konjunktur in jammervollem Zustand, und so macht es aus psychologischer Sicht Sinn, wenn Bush, Chirac, Schröder & Co. Optimismus verbreiten. Wie lange diese Schönwetter-Stimmung anhält, vermag niemand zu sagen. Ein stabiler Aufschwung kann nur gelingen, wenn weltweite Unsicherheitsfaktoren wie die Terrorismusgefahr in Schach gehalten und die Gipfel-Länder ihre Hausaufgaben erledigen. Der Abbau von wachstumshemmenden Hindernissen ist dabei nur ein Punkt. In den USA, die den Zustand der Weltwirtschaft beeinflussen, zeichnet sich zwar eine Konjunkturerholung ab, doch George W. Bush will diese mit Steuerentlastungen anfeuern, die die Staatsverschuldung in beängstigende Regionen treiben wird. Auch würde ein erneuter Terroranschlag im Stile des 11. September fatale Konsequenzen für die Wirtschaft nicht nur in Amerika haben. Ein Grund mehr für die G 8-Teilnehmer, die Differenzen im Kampf gegen den Terrorismus hinten anzustellen. Europa sollten sich allerdings hüten, die kritische Distanz zu den USA aufzugeben. Denn vieles, was Bush wünscht, muss unter dem Aspekt der Präsidentenwahl 2004 gesehen werden. nachrichten.red@volksfreund.de