Schröders Erfolg

Im Arbeitszeugnis würde stehen: Er hat sich bemüht. Das klingt ganz ordentlich, heißt aber übersetzt: Besser konnte er es nicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder war am Montag auf dem Parteitag bemüht, seine Politik der sozialen Einschnitte seriös zu erklären und Verständnis für den Kurswechsel zu wecken.

Er wirkte dabei auch glaubwürdig, wie in dem ehrlichen Ergebnis seiner Wiederwahl zum Ausdruck kam. Und doch: Gemessen an der Erwartungshaltung der Genossen, die nach einer schmerzlindernden Botschaft ihres Vormanns lechzten, war der Auftritt eher enttäuschend. Da die Sozialdemokraten an diesem Tag aber alles gebrauchen konnten, bloß keine weiteren schlechten Nachrichten, beschlossen sie einfach, die Rede des Vorsitzenden gut zu finden. Zudem hätte das Eingeständnis, nicht schlauer geworden zu sein, ihre Gewissensnot noch verschärft. Also war man gnädig - mit Schröder und mit sich selbst. Wie dem auch sei, der Kanzler hat sein Ziel erreicht: Der Parteitag hat ihn, und damit seinen Kurs, klar bestätigt. Das Gemunkel über einen möglichen Aufstand erwies sich als gegenstandslos. Völlig offen ist aber weiterhin, ob es der SPD gelingt, den Trend zur Umkehr einzuleiten. Denn in den Köpfen der Menschen herrscht weiterhin Novemberstimmung. nachrichten.red@volksfreund.de

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