Schule hui, Uni pfui

TRIER. Ist das Bildungssystem im Land tatsächlich so schlecht, wie es der Bildungsmonitor, der heute vorgestellt wird, bewertet? Die Landesregierung sagt "Nein", die Experten sagen "Doch".

Um es vorweg zu sagen: Nicht alles ist schlecht an rheinland-pfälzischen Schulen. Bei den Ausgaben für Grundschulen, dem Verhältnis Schüler je Lehrer an allgemein bildenden Schulen, bei der Zahl der Schüler pro Klasse, bei der Jugendarbeitslosigkeit und bei Frauen, die Ingenieurwissenschaften studieren, belegt Rheinland-Pfalz Spitzenplätze beim Bildungsmonitor, der heute vorgestellt wird. Doch die Vergleichsstudie offenbart auch deutliche Mängel. Und das auch in Bereichen, mit denen das Land gern vorn wäre: zum Beispiel Ganztagesbetreuung. Im Vergleich zu Sachsen, das Sieger des bundesweiten Bildungsvergleiches wurde, gibt es in Rheinland-Pfalz nur wenige Grundschüler in Ganztagsschulen. Auch bei den Unterrichtsstunden je Klasse liegt das Land deutlich hinter Hamburg, das Platz fünf belegt. Vergleichsweise hoch ist in Rheinland-Pfalz auch der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss. Die besten Zahlen kann dabei auch wieder Hamburg vorweisen. Die Schwächen des rheinland-pfälzischen Bildungssystems werden aber am ehesten bei den Hochschulen greifbar. Bei den verkürzten Studiengängen, die mit dem so genannten Bachelor-Abschluss nach drei oder vier Semestern enden, ist das Land bundesweites Schlusslicht. 2004 waren laut den Ergebnissen des Bildungsmonitors nur 3,6 Prozent der Erstsemestler in solchen Studiengängen eingeschrieben. Bundesweit beträgt der Durchschnitt der Bachelor-Studenten über zwölf Prozent. Trotz dieser Minus-Punkte sehen die Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft, die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) das Ranking erstellt haben, deutliche Verbesserungen im rheinland-pfälzischen Bildungssystem. Doch es hätte eigentlich noch besser sein müssen, heißt es im Bildungsmonitor. Für einen größeren Sprung innerhalb der 16 Bundesländer habe es vor allem deswegen nicht gereicht, weil die Konkurrenten deutlich aufgeholt haben. Zum Beispiel das Saarland: Im vorigen Jahr noch Schlusslicht, schaffte es das Nachbarland in diesem Jahr auf Platz elf. Neues Schlusslicht ist Nordrhein-Westfalen. "Kein Grund zur Sorge", heißt es aus dem Mainzer Bildungsministerium. Das Bildungssystem im Land sei nicht so schlecht, wie es die angeblichen Experten darstellten. Das miese Abschneiden liege vor allem an den Methoden der Auswertung. Als Beispiel dafür nennt Bildungsstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig die Bachelor-Studiengänge. Im Unterschied zu anderen Bundesländern stelle Rheinland-Pfalz zügig um, garantiere aber gleichzeitig die Qualität der neuen Studiengänge. Das Land wolle weiter in die Hochschulen investieren, sagt Hoffmann-Göttig unserer Zeitung. Zusätzlich zu den insgesamt 50 Millionen Euro im vergangenen und diesem Jahr sollen ab 2008 noch einmal 12,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verbesserung der Studienbedigungen fließen. "Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, die Qualität von Bildung in den Schulen und Hochschulen zu verbessern und die Chancengerechtigkeit zu steigern", sagt Hofmann-Göttig. Seit 2004, nach dem Pisa-Schock, wird jährlich ein neuer Bildungsmonitor aufgelegt. Damit soll die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems der Bundesländer bewertet werden.