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Schulen in NRW
Weniger Lehrer gehen vorzeitig in Pension

Blick in ein Klassenzimmer. (Archiv)
Blick in ein Klassenzimmer. (Archiv) FOTO: dpa, Patrick Pleul
Düsseldorf. Die Zahl der Pädagogen, die dienstunfähig in vorzeitige Pension gehen, ist seit 2010 deutlich gesunken. Kollegen sagen: Mehr Kranke holen sich Hilfe - aber viele bleiben auch, obwohl sie nicht mehr können. Frank Vollmer

Die Zahl der Pädagogen in NRW, die dienstunfähig ausscheiden, ist seit 2010 deutlich gesunken. Mehr kranke Lehrer holen sich laut Zahlen des Statistischen Bundesamts Hilfe - aber viele bleiben trotz Beschwerden im Dienst.

Die Zahl der Lehrer in NRW, die wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand wechseln, ist auf einen neuen Tiefstand gefallen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach gab es 2016 (das ist das aktuellste Berichtsjahr) in Nordrhein-Westfalen 645 "Zurruhesetzungen" wegen Dienstunfähigkeit. Das waren 165 oder gut ein Fünftel weniger als noch im Vorjahr.

Seit 2010 ist die Zahl der Frühpensionierungen von Pädagogen um fast die Hälfte gefallen. Seit dem Höchststand im Jahr 2000, als 3515 Lehrer dienstunfähig ausschieden, sogar um 82 Prozent - und das bei steigender Lehrerzahl in Deutschlands größtem Bundesland.

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Ein ähnlicher Trend ist bundesweit zu beobachten, in NRW ist er allerdings besonders deutlich ausgeprägt. Zudem verzeichnen nicht alle Bundesländer eine rückläufige Entwicklung. So sank die Zahl der dienstunfähigen Lehrer in ganz Deutschland von 2010 bis 2016 um gut ein Viertel, in Bayern dagegen stiegen die Frühpensionierungen um zehn Prozent.

Überall sind die aktuellen Zahlen aber viel niedriger als um die Jahrtausendwende. Seit 2001 können Beamte nur noch mit einem Abschlag von 3,6 Prozent pro Jahr in Frühpension gehen.

Dorothea Schäfer, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), vermutet einen Zusammenhang mit der Nutzung des sogenannten betrieblichen Eingliederungsmanagements. Das sind freiwillige Angebote für Lehrer, die in einem Jahr länger als sechs Wochen krank waren; dabei werden Entlastungsmöglichkeiten für die Betroffenen besprochen, etwa bei der Unterrichtsverteilung oder durch Versetzung. "Wir hören von unseren Personalräten, dass die Zahl deutlich zugenommen hat", sagte Schäfer.

Skeptischer ist der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Die Zahlen hingen mit der hohen Motivation der Lehrer in Nordrhein-Westfalen zusammen, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Er fügte allerdings auch hinzu: "Ich befürchte, einige Lehrkräfte fühlen sich ihrer Arbeit dermaßen verpflichtet, dass sie trotz Beschwerden in der Schule bleiben."

"Gute Work-Life-Balance"

Der größte Teil der Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit betrifft Lehrer im Alter von mehr als 60 Jahren. In Nordrhein-Westfalen waren das 2016 knapp zwei Drittel aller Fälle. Dienstunfähigkeit war der Grund für knapp zehn Prozent aller Pensionierungen von Lehrern im Land; 2010 waren es noch 23 Prozent.

In Sachen Arbeitsbedingungen verweist das Schulministerium von Yvonne Gebauer (FDP) auf neue Modelle für Schulleitungen und Referendare. Vom Sommer an soll an bis zu fünf Grundschulen die Leitung durch zwei Teilzeitkräfte erprobt werden. Das Land erhofft sich davon eine Linderung des Schulleitermangels.

Referendare sollen ihre Unterrichtsverpflichtung vom November an auf bis zu 24 Monate strecken können - de facto ein Teilzeitmodell. Gebauer: "Eine gute Work-Life-Balance ist ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, frühzeitige Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit zu vermeiden."