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Schwerpunkt „Die Zehn Gebote“
Zuversicht und Hoffnung helfen

 Die Formel „Bis dass der Tod euch scheidet“ funktioniert in vielen Fällen nicht. Kabarettist Konrad Beikircher stellt die Frage, ob die Kirche uns damit nur ein schlechtes Gewissen machen will, weil wir so sündhaft sind.
Die Formel „Bis dass der Tod euch scheidet“ funktioniert in vielen Fällen nicht. Kabarettist Konrad Beikircher stellt die Frage, ob die Kirche uns damit nur ein schlechtes Gewissen machen will, weil wir so sündhaft sind. FOTO: dpa / Martin Gerten
Im Rheinland hängt der Korb mit der Liebe, der Ehe und dem Ehebruch ziemlich hoch. Das treibt Menschen immer wieder in die Verzweiflung. Warum also diese extreme Forderung: „Du sollst nicht ehebrechen“? Von Konrad Beikircher

Ehen werden im Himmel geschlossen und auf Erden gebrochen. Alte Weisheit aus katholischen Kreisen. Andere Konfessionen machen es sich leichter, sowohl mit dem Schließen als auch mit dem Brechen, aber nun sind wir hier im Rheinland halt mal katholisch oder evangelisch und da hängt der Korb mit der Liebe, der Ehe und dem Brechen derselben ziemlich hoch. Dieses treibt Menschen immer wieder in die Verzweiflung, ist doch die Liebe „bis dass der Tod euch scheidet“ nicht unbedingt mit der menschlichen Natur und gar der männlichen abgestimmt. So, dass man sagen könnte, dass sich die beiden Konfessionen nicht viel dabei gedacht haben können, als sie sich für „bis dass der Tod euch scheidet“ entschieden haben, weil das ja kaum einer durchhält.

Warum also diese extreme Forderung? Soll die uns vor Augen führen, wie moralisch ungefestigt unsereiner ist und dass wir deshalb ohne die Hilfe der Kirche gar nicht hinkommen können? Soll die uns einfach nur permanent ein schlechtes Gewissen machen, weil wir so sündhaft sind? Ist es einfach nur ein Mittel, uns immer wieder (jetzt also die Katholiken) in den Beichtstuhl zu treiben, dass der Pfarrer uns zumindest dort schon mal zu Gesicht bekommt, wenn wir schon nicht in die Messe gehen? Ist das also alles nur ein wohl kalkuliertes Machtspiel mit uns armen Seelen?

Für die Kirchen ein leichtes Spiel, denn keiner kennt uns arme Seelen so gut wie ihre Mitarbeiter. Sie wissen, wie weit wir es treiben können. Ein Beispiel aus deutschen Landen:

X ist Apotheker. Er hat eine schöne Apotheke und eine schöne Apothekerin, Y, die Süße. Und mit der hat er fünf schöne Kinder.

Und er hat eine schöne Apothekengehilfin.

Und mit der hat er auch ein Kind. Ein schönes Kind.

Das hat er ganz allein mit ihr in der Officin gemacht. Ganz heimlich. Aber doch nicht heimlich genug, weil seine schöne Apothekerin es herausbekommen hat und ihn verlässt. Daraufhin verläßt die schöne Apothekengehilfin auch ihren Mann, denn sie ist verheiratet.

X lebt glücklich mit seiner schönen Apothekengehilfin und hat zwei weitere schöne Kinder mit ihr.

„Jetzt ist aber Schluss“, sagt X und lässt sich sterilisieren. Da kommt seine schöne Apothekerin und will die Scheidung. Da muss man viel miteinander reden. Und beim Scheidungstermin sagt die schöne Apothekerin zu X, dass sie schwanger ist. Von ihm.

Und X sagt: „Aber wie denn? Ich bin doch sterilisiert!“

Die schöne Apothekerin sagt, dass sie ganz sicher ist und X sagt, dass auch er ganz sicher ist. Und weil keiner keinem glaubt, kommt ein Vaterschaftstest und der ist positiv. Das erfährt die schöne Apothekengehilfin, trennt sich mit ihren drei Kindern von X und geht zu ihrem Mann zurück. Da nimmt die schöne Apothekerin die Scheidung zurück und will ihren X mit Haut und Haar wieder haben. Der verklagt den Sterilisator-Arzt auf Schadenersatz und von diesem Geld machen X und seine schöne Apothekerin ihre Hochzeitsreise.

Ich meine: Niemand ist geschieden und trotzdem sind zwei Ehen gebrochen. Halten aber „bis dass der Tod euch scheidet“. So kreativ können Christen sein.

Ein alter jüdischer Witz geht so: Moses kommt vom Berg Sinai herunter und hat die Tafeln mit den Geboten unterm Arm. Die Israeliten warten sehnsüchtig auf ihn. Moses stellt sich vor sie hin und verkündet:

„Also, Leute, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Ich hab ihn auf zehn runter. Die schlechte: Ehebruch ist drin geblieben.“

Nur: Wie die Geschichte vom Apotheker zeigt, ist kein Gebot so böse, dass man Angst vor ihm haben müsste. Also: Zuversicht und Hoffnung helfen uns aus jeder Not. Oder?!

Dieser Text ist Teil eines Schwerpunkts zum Thema „Zehn Gebote“. Mehr dazu und weitere Artikel finden Sie hier.