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Selbst die Blitzer-Attrappe hilft nur kurze Zeit

Selbst die Blitzer-Attrappe hilft nur kurze Zeit

Das Land verschärft die Geschwindigkeitsmessungen, um schwere Unfälle zu reduzieren. Verkehrspsychologen fordern eher einen anderen Weg. Ein gewitzter Vulkaneifeler machte für kurze Zeit vor, wie es geht.

Mainz/Salm Eines Tages hatte Manfred Lorig die Nase voll. Der KFZ-Mechaniker aus dem Vulkaneifeldorf Salm störte sich daran, dass Autos mit vollem Karacho über die 50er-Zone vor seiner Haustür brausten. Der Mann, der in seiner Autowerkstatt alte Enten repariert, kam auf eine Idee: Er baute eine Blitzer-Attrappe. "In der ersten Zeit bremsten besonders Ortsfremde immer ab", erinnert er sich und lacht. Doch der Erfolg ließ mit der Zeit nach. Inzwischen hat Lorig die Attrappe abgebaut. "Die Einheimischen haben schnell raus, dass das kein echter Blitzer ist."
Auch bei echten Geschwindigkeitsmessungen, die das Land mit dem Kauf neuer Blitzer (siehe Extra) ausbauen will, zweifeln Experten am Erfolg. Der Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss erforschte bereits die Wirkung von Blitzern. Sein Ergebnis ist für Fans der Messungen ernüchternd: "Geblitzt werden vor allem Autofahrer zwischen 30 und 60 Jahren. Die Risikogruppen, in denen auffallend viele Fahrer Unfälle bauen, sind aber deutlich jünger oder älter." Voss zweifelt einen Erziehungseffekt an, selbst wenn Fahrer zur Kasse gebeten werden. Die Einnahmen fließen außerdem meist nicht in die Verkehrspolitik, sondern in die Haushalte, kritisiert er.
Für Voss, der gerade an einem Verkehrskonzept für Luxemburg arbeitet, ist klar: Der Staat müsste sich sinnvolle Vorbeugung eher was kosten lassen. Er lobt Verkehrsinseln in Ortschaften. Oder die bauliche Trennung von Fahrbahnspuren in scharfen Kurven wie in Schweden, die die Zahl tödlicher Unfälle verringert habe. "Alles hilft, was dem Autofahrer signalisiert, langsamer werden zu müssen", findet Voss.
Das rheinland-pfälzische Innenministerium geht davon aus, dass die Wirkung auch von Blitzern ausgeht. Die Polizei arbeitet künftig mit Anhängern, in die Blitzer verbaut sind. Beamte können diese an gewünschten Orten abstellen und müssen sie nicht mal bedienen. Joachim Laux, Abteilungsleiter Polizei, spricht von guten Erfahrungen, die Frankreich mit den Geräten gesammelt habe. "Die Unberechenbarkeit steigt, dass man jederzeit gemessen werden kann." Laux erhofft sich so behutsameres Fahren - und weniger Unfälle. Benno Langenberg, Landessprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft, hält dagegen, dass man dafür die Straßen mit diesen Blitzern pflastern müsste. Die zwei Geräte, die jedes Polizeipräsidium kriege, seien dafür zu wenig. Die Blitzer dürften seltener an Schulen als an vielbefahrenen Straßen zum Einsatz kommen, orakelt er. "Wer in der Vulkaneifel lebt, kriegt von Blitzern wenig mit." Es sei denn, jemand baut eine neue Attrappe.Extra: Auf welche Strategie das Land setzt

(flor) Geht es um feste stationäre Blitzer, hat Rheinland-Pfalz deutlich weniger als andere Bundesländer. 37 zählt das Land insgesamt, Hessen hat 772. Fünf neue kommen in diesem Jahr in Mainz, Wörth am Rhein und bei Wiedbachtal (Kreis Neuwied) dazu. Dazu schafft das Land zehn semi-mobile Anlagen an. Die Bußgeldstellen in Zweibrücken und Speyer stattet das Ministerium mit zusätzlichen 160 Stellen aus. Der ADAC Mittelrhein kritisiert, dieser Schritt zeige, dass es bei den Messungen eher ums Geld gehe.