Selbst schuld?

Es ist schon äußerst merkwürdig, was sich da momentan um Susanne Osthoff abspielt. Zur Erinnerung: Sie war Opfer einer traumatischen, von Todesängsten geprägten Entführung. Und keineswegs eine wie auch immer geartete Täterin.

Aber selten erntete jemand so wenig Mitgefühl und Verständnis wie jetzt Osthoff. Selbst Schuld? Wenn der Maßstab ist, gegen die Gesetze der Medienwelt zu verstoßen, dann ja. Ansonsten nein. Über die eigenwillige Archäologin ist eine enttäuschte Öffentlichkeit hinweggerollt, ihre Familiengeschichte taugte wunderbar für den Boulevard. Es ist ein Bild einer vermeintlich irren Frau gezeichnet worden, aufgrund eines seltsamen Interviews. Nur, aus der Ferne konnte keiner ernsthaft beurteilen, welche Tortur Osthoff durchlitten hat. Und mal ehrlich: Für die Folgen ihrer Geiselhaft interessierte sich kaum jemand. Zurückhaltung wäre besser gewesen. Mag sein, dass Osthoff Fehler gemacht hat. Aber kann man ihr das übel nehmen? Sie wehrt sich jetzt. Das ist ihr gutes Recht. Insbesondere, weil für das schlechte Osthoff-Bild die Politik durchaus eine Mitverantwortung trägt. Denn das Auswärtige Amt war zur Stelle, als es darum ging, sie wegen ihrer angeblichen Rückkehr in den Irak zu verstoßen. Vorschnell, wie sich herausgestellt hat. Aber vieles ist im Fall Osthoff leider vorschnell geschehen. nachrichten.red@volksfreund.de