Selbst schuld

Die Unterhaltungs-Industrie jammert seit 20 Jahren über die angeblich astronomisch hohen Verluste durch Raubkopierer. Diese Diskussion war schon aktuell, als sich die Vinyl-LP noch auf Plattentellern drehte.

Da gab es Menschen, die sich die alten LPs auf Audiokassetten überspielten. Die Industrie heulte, weinte und forderte die fürchterlichsten Strafen für die Missetäter. Schließlich hätten die erzielten hohen Gewinne ohne diese Kopien noch höher sein können. Auch die Software-Industrie jammert über Raubkopierer, seit sie existiert. Illegale Kopien sind eine reale, aber zum großen Teil selbst verschuldete Gefahr für die Industrie. Da war zum Beispiel die grandiose Idee, die DVD-Welt in verschiedene Regional-Codes einzuteilen, damit der deutsche Zuschauer nicht auf die Idee kommt, sich den gewünschten Film in der Originalfassung aus dem Ausland zu besorgen. Nein, er soll auf die deutsche Fassung warten, Kürzungen und eine miserable Synchronisation inklusive. Es gibt auch Software-Produzenten, die bis zur Unspielbarkeit mit Fehlern beladene Spiele auf den Markt werfen, weil sie keine Zeit in eine ausführliche Testphase investieren wollen. Der Käufer zahlt um die 50 Euro und ärgert sich. Es gibt nur ein funktionierendes Mittel gegen illegale Kopien: die Qualität und Ausstattung eines Originals. Auch die vorhin erwähnten LP-Mitschnitte auf Audiokassetten waren akustisch nur ein schwacher Abklatsch des Originals. Deshalb hörten sich viele die Kopie an und wanderten dann zum Plattenladen. Qualität setzt sich durch. Attraktive Extras auf einer DVD, Zusatzmaterial in der Computerspiel-Hülle machen Kopien uninteressant. Aber die Industrie setzt lieber auf einen paranoiden Kopierschutz, der Originale unbrauchbar macht und die Kunden geradezu zwingt, Kopien zu benutzen. Die laufen nämlich direkt. j.pistorius@volksfreund.de