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Selektion vor der Geburt? Streit über neuen Gentest für Schwangere

Selektion vor der Geburt? Streit über neuen Gentest für Schwangere

Ein neuer Gentest, für den Schwangeren Blut abgenommen und im Ausland untersucht wird, sorgt für Diskussionen. Der Test diene der Selektion von Menschen, sagen Kritiker und wollen Ärzte in die Pflicht nehmen. „Ein Verbot bringt nichts“, meinen die Befürworter.

Für den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe, steht fest, wozu vorgeburtliche Gentests eingesetzt werden: "Letztlich geht es fast nur darum, Menschen mit Downsyndrom aufzuspüren und auszusortieren", sagt der CDU-Politiker. Hüppe plädiert für eine Klarstellung im Gesetz, um solche Angebote zurückzudrängen. Dabei werden die Gentests immer umfassender: Ein neuer Test der Unternehmensgruppe Amedes kann die Trisomie.21, also das Downsyndrom, und andere Trisomien erkennen. Darüber hinaus filtert der Test auch die nur Mädchen betreffende seltene Monosomie.X heraus. Für den 635 Euro teuren Test muss Schwangeren Blut abgenommen und in amerikanische Labors geschickt werden. Hüppe will, dass dies Ärzten untersagt wird.

"Ein Verbot bringt doch nichts", sagt dagegen der Trierer Gynäkologe Heinrich Hackenberg, der Vorsitzender des Bezirksfrauenärzteverbands ist. Wenn es einen solchen Test gebe, werde er genutzt. "Ich glaube nicht, dass die Zahl der Abtreibungen dadurch steigt", sagt Hackenberg.

Anderer Meinung ist Michael Frisch von der Trierer Aktion Lebensrecht für Alle (Alfa). "Je genauer und umfassender Methoden genetische Defekte des Kindes feststellen können, desto mehr werden sich eugenische Tendenzen verstärken", sagt Frisch. Die Forderung des Lebensschützers: Es dürfen nur jene Tests erlaubt werden, die Krankheiten aufdecken, für die es eine Therapie gibt. Das ist auch die Meinung des Trierer Bischofs. "Gentests, die das Ziel haben, das Austragen einer Schwangerschaft zu verhindern, lehne ich ab", sagt Stephan Ackermann. Etwas anderes sei es, wenn Diagnosem ethoden werdenden Eltern helfen, sich besser auf die Situation mit einem behinderten Kind einzustellen oder sich dadurch Möglichkeiten eröffneten, unmittelbar nach der Geburt Therapien einzuleiten.

Nach Angaben des Essener Humangenetikers Bernd Eiben wird der neue Gentest nur im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung angeboten.

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