1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Selten ein Mann an ihrer Seite

Selten ein Mann an ihrer Seite

Er ist irgendwie nicht der Mann an ihrer Seite. Obwohl sie ja verheiratet sind. Während zum Beispiel andere Staats- und Regierungs-Chefs beim G20-Gipfel in London ihre Ehepartner zum Empfang bei der Queen mitbrachten, kam Kanzlerin Angela Merkel in Begleitung von Finanzminister Peer Steinbrück. Nur wenn der US-Präsident nach Deutschland kommt, macht der Kanzlerin-Gatte eine Ausnahme.

Berlin. In der Woche der Gipfel hat sich Merkels Gatte Joachim Sauer zunächst einmal rar gemacht. Doch beim Treffen mit Barack Obama in Baden-Baden gab es kein Entrinnen mehr - und es ist fast schon eine Tradition, dass der zurückhaltende Chemie-Professor dann zur Stelle ist, wenn ein US-Präsident nach Deutschland kommt.

Gestern war er also wieder dabei, als infolge des Nato-Gipfels in dem Kurort Obama und seine Frau Michelle von Merkel begrüßt wurden. Und während die einen anschließend die große Weltpolitik erörterten, kümmerte sich Sauer um die "First Lady". Heute wird der Gipfel zu 60 Jahren Nato auf französischer Seite in Straßburg fortgesetzt, und die Partner der 28 teilnehmenden Staats- und Regierungschef werden parallel dazu das berühmte Straßburger Münster besichtigen. Auch Sauer gehe mit, so ein Regierungssprecher.

Er macht nur ganz wenige und sorgsam ausgewählte Termine an der Seite seiner Frau. Meist dann, wenn es sich wirklich nicht mehr vermeiden lässt, wenn zum Beispiel der mächtigste Mann der Welt kommt. Dass Sauer, der in wenigen Tagen 60 Jahre alt wird, sehr gut fürs Damenprogramm taugt, hat er allerdings schon unter Beweis gestellt. Im Juni 2007 beim G8-Treffen in Heiligendamm schlüpfte er gekonnt in die Rolle des Fremdenführers durch Mecklenburg-Vorpommern.

Wenige Wochen zuvor hatte sich der Gatte der Kanzlerin schon als charmanter Plauderer beim EU-Gipfel zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge in Berlin erwiesen. "Entzückt", hieß es, sollen einige Damen damals vom "Hahn im Korb" gewesen sein. Dass sich Sauer lieber seiner Professur widmet, anstatt als Merkels Mann zu fungieren, war von vorneherein klar. Zwischen beiden soll es eine entsprechende Übereinkunft geben. Sauer gilt privat als humorvoll und beruflich als Koryphäe. Anfänglich hatte er jedoch keinen einfachen Stand bei der Presse, er sei ein schwieriger, eigenbrötlerischer Typ. Die Urteile ergaben sich auch daraus, dass er Interviewanfragen zu ihm als "First Gentleman" grundsätzlich ablehnt.

Auch ihre privaten Türen öffnen Merkel und Sauer nicht. Die Medien müssen sich daher mit Schnappschüssen aus dem Italienurlaub begnügen oder von den Bayreuther Festspielen. "Meine Person steht in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit von Angela Merkel. Deshalb bin ich für die Öffentlichkeit auch nicht bekannt", sagte er einmal. Stimmt nicht ganz.

Mehr Zum G-20-Gipfel: Seite 4

Mehr Zum Nato-Gipfel: Seite 23