Sherlock Holmes und die Gene

Die einen liefern die Theorie, die anderen sind die Praktiker - die Mordkommission und die Spurensicherung arbeiten Hand in Hand. Und die Praktiker hantieren mit neuester Technik. Oft liefert aber auch schon der einfache Fingerabdruck den entscheidenden Hinweis.

Trier. (pwr) Sherlock Holmes ist überall. Das Gesicht des berühmtesten Detektivs der Welt ist auf jedem Türschild zu sehen - im Dachgeschoss der Polizeiwache in der Trierer Südallee, in den Räumen der Spurensicherung. Holmes ist mehr als nur Klischee: Er war der erste, der mit dem Reagenzglas einen Mörder finden konnte - zumindest in der Fiktion. In der Südallee setzt man die Tradition fort. Während die Büros in die Güterstraße verlegt wurden, befinden sich in Nachbarschaft zum Stadtbad noch die Arbeitsräume: ein Fotolabor, die Asservatenkammer und zwei Laborräume, einen für die "Täter", der andere für die "Opfer". "Es wäre fatal, wenn wir die Spuren vermischen würden", sagt Edmund Schmitt (57), Leiter des Fachkommissariats 7 (K 7) der Polizei Trier, der Spurensicherung. Das sei alles schon vorgekommen. Egal ob "Täter" oder "Opfer - die Verfahren ,auch noch im Mikrobereich Indizien für eine Tat zu finden, sind gleich. "Wir vernehmen hier nicht. Das machen die Theoretiker. Wir sind die Praktiker", sagt Schmitt. "Unsere wichtigsten Mittel sind Fingerabdrücke und DNA-Spuren."

Doch die Laboranalyse ist erst der zweite Schritt nach einer frischen Tat. In einem "ersten Angriff" kommen zunächst Schutzpolizei und Sanitäter an den Tatort. "Während sich der Sanitäter um mögliche Opfer kümmert oder den Tod eines Opfers feststellt, ermittelt die Schutzpolizei mögliche Zeugen. Danach wird der Tatort abgesperrt. Dann darf nur noch die Spurensicherung dahin", sagt Josef Recktenwald (35), der seit vier Jahren beim K 7 dabei ist. "Bis dahin sind schon viele Fremdspuren am Tatort zu finden. Wir müssen die Schuhsohlen jedes Kollegen vor Ort abfotografieren, um sie hinterher herauszufiltern." Da jede einzelne Spur dokumentiert und vom Landeskriminalamt in Mainz geprüft werden muss, entsteht ein hoher bürokratischer Aufwand. "Daher sind auch Schaulustige vor Ort für uns das Schlimmste."

Nach der Sicherung folgt die Begehung des Tatorts. "Entscheidend ist meistens der Fundort von Spuren. Außerdem lässt sich der Tathergang erkennen." Die Spritzrichtung des Bluts eines Opfers lässt zum Beispiel auf den Standort des Täters schließen.

Gleichzeitig werden weitere Spuren genommen - bei einem Mord vor allem an der Leiche. Weil ein toter Körper zwischen 0,5 und ein Grad pro Stunde seiner Temperatur verliert, lässt sich der Todeszeitpunkt bestimmen. "Dann reiben wir mit einem Wattestäbchen Hautzellen ab."

Auch im Labor kommen die Wattestäbchen zum Einsatz, neben dem klassischen Rußpinsel für Fingerabdrücke und der vollchemischen Ninhydrin-Methode (siehe Extra). "Die Technik entwickelt sich immer weiter. Man muss deshalb auch immer vorsichtiger vorgehen, um die immer kleiner werdenden Spuren nicht zu zerstören", sagt Edmund Schmitt. Das bedeutet auch mehr Arbeit: "Zurzeit arbeiten im K 7 zwölf Mitarbeiter, darunter sechs Kriminaltechniker. Es könnten ruhig mehr sein." Die Zeiten, in denen Sherlock Holmes nur mit Assistent Doktor Watson auskam, sind vorbei.Extra So werden Spuren gesichert: Ninhydrin: Wird vor allem bei der Sicherung von Fingerabdrücken auf Papier eingesetzt. Die Flüssigkeit zeigt Aminosäurespuren (die im menschlichen Schweiß vorkommen) violett an. DNA-Spuren: Werden per Wattestäbchen aus Körperflüssigkeiten oder aus Hautzellen entnommen. Dazu reichen ein Haar oder Speichelreste auf der Kleidung. Rußpinsel: Um Fingerabdrücke zu gewinnen, wird Ruß mit einem Pinsel auf einem Objekt aufgetragen. Um die Gefahr von Verwischung zu verhindern, setzt man heute auf mit Mangan versetzten Ruß, der mit einer Art magnetischem Stift aufgetragen werden kann. Diesen Mangan-Ruß gibt es in verschiedenen Farben für unterschiedliche Oberflächen - sogar fluoreszierend. Klebefolie: Mit tesafilmähnlichen Streifen werden Textilien abgeklebt. An dem Kleber bleiben Fingerabdrücke, Haare und fremde Textilfasern haften. Über die Zusammensetzung der Fasern kann die Herkunft des Kleidungsstückes bestimmt werden.(pwr)