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Skandalbilder aus deutschen Ställen entfachen neue Tierschutzdebatte

Skandalbilder aus deutschen Ställen entfachen neue Tierschutzdebatte

Nachdem Tierschützer schockierende Bilder aus Ställen deutscher Bauernfunktionäre veröffentlicht haben, fordert die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken, dass die Bundesregierung das längst versprochene Tierwohl-Label einführt. Dies soll Anfang 2017 geschehen.

Offene Wunden, eitrige Augen, Kannibalismus und überall Kot. Empörend und schwer zu ertragen fanden viele die Bilder aus deutschen Ställen, die Tierschützer in den vergangenen Wochen veröffentlichten. Aufgenommen wurden sie nicht irgendwo, sondern auf den Höfen von Bauernfunktionären und Bundestagsabgeordneten. Während die einen Verfehlungen einräumten, bestritten andere, gegen Tierschutzauflagen verstoßen zu haben und erklärten die Bilder für manipuliert. Folgenlos bleibt all das nicht. Zum einen, weil die Tierschützer Anzeige erstatteten. Zum anderen ist eine neue Tierschutzdebatte losgebrochen.

So wirft die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken dem Bund vor, zu wenig für den Tierschutz zu tun. Sie fordert, Agrarminister Christian Schmidt müsse das längst überfällige Tierwohl-Label endlich einführen. Dieses soll Verbrauchern zeigen, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten wurden.

Schmidts Ministerium teilt auf TV-Anfrage mit, das Label werde derzeit entwickelt. Details werden bei der Grünen Woche im Januar 2017 vorgestellt. Rheinland-Pfalz schlägt vor, das Fleisch-Label solle sich an die Kennzeichnung von Eiern anlehnen: Stufe 3 für die Mindeststandards, Stufe 2 für etwas mehr Tierwohl, Stufe 1 für zusätzlichen Auslauf oder Weidegang, Stufe 0 für Biofleisch.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter, der kürzlich in Trier aus seinem Buch "Fleischfabrik Deutschland" las, fordert zudem höhere Tierschutzstandards - so gebe es für die Putenhaltung gar keine Regeln.

Michael Horper, dem Chef des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, bereitet es Sorgen, dass sein Berufsstand, der ohnehin mit einer katastrophalen Ertragslage zu kämpfen habe, so in der Kritik steht. Die Bilder seien nicht schön. So etwas könne in der Tierhaltung aber passieren: Da gebe es kranke Tiere ebenso wie Rangkämpfe und Vollspaltenböden. Jahrzehntelang habe man dem Verbraucher Wohlfühlbilder aus dem Kuschelzoo gezeigt. "Wir müssen realistischere Bilder zeigen", sagt Horper. Für ein Tierwohl-Label ist er offen. Allerdings müsse der Erzeuger dafür honoriert werden. In Rheinland-Pfalz wurden 2015 bei Tierschutzkontrollen 205 Höfe beanstandet. Das sind 18 Prozent der kontrollierten 1125 Betriebe. Meist ging es um Unterbringung, Futter und Tränken.

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