Solidarität der Frauen

Die Wahlen in New Hampshire erwiesen sich abermals als Lehrstunde in amerikanischer Politik: Egal was die Umfragen sagen, es gilt abzuwarten bis die Wähler entschieden haben. Das Ergebnis dieser Primaries erklärt warum.

Nicht ein einziges Institut sah Hillary Clinton vorn. Im Schnitt sagten die Meinungsforscher Barack Obama einen Vorsprung von mehr als acht Prozent voraus. Etwas muss innerhalb der letzten 24 Stunden passiert sein, was die Umfragen noch nicht erfassten. Hillarys feuchte Augen kommen dafür als einzige Erklärung in den Sinn. Oft wiederholt im Fernsehen, lösten sie einen Solidarisierungs-Effekt bei den Wählerinnen aus. Die Frauen erinnerten sich sprichwörtlich über Nacht daran, wie schwer es auch heute noch sein kann, sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten. Indem Hillary Emotionen zuließ, kam sie nicht als Polit-Roboter, sondern als Person rüber. Ein Dankeschön darf sie auch John McCain ausrichten, der als "Comeback"-Opa der Republikaner Schlagzeilen macht. Er zog viele Unabhängige an, die Obama am Ende fehlten. Schließlich gilt New Hampshire als Clinton-Land. Mit seinem unerwarteten zweiten Platz bei den Primaries 1992 legte Bill Clinton hier die Basis für seinen politischen Aufstieg. Hillarys Strategen bauten den Granitstaat von Anfang an zur Trutzburg gegen ihre Herausforderer aus. Wenn Hillary hier nicht gewonnen hätte, dürften sich ihre Anhänger zu recht fragen: Wo sonst? Damit soll die Bedeutung ihres Triumphs keineswegs geschmälert werden. Tatsächlich ist Hillary nicht nur die "Comeback"-Lady, sondern die strahlende Siegerin. Wenn Obama in Iowa Geschichte schrieb, tat es Clinton ihm in New Hampshire gleich. Umgekehrt bleibt Obamas Bewegung eine ernste Herausforderung. Wie kein anderer verkörpert der jugendliche Senator den Wunsch nach einem Wandel der politischen Kultur Amerikas. Weg von den ideologischen Grabenkriegen der Clinton-Bush-Ära, die das Land bitter geteilt haben, hin zu einer pragmatischeren Politik, die ungelöste Probleme anpackt. Bei vielen Demokraten bestehen die Bedenken fort, ob Hillary die geeignete Kandidatin ist, Mehrheiten zu schaffen, die Veränderungen ermöglichen. Mit ihren hohen Negativ-Werten hat die Politikerin wenig Raum zu wachsen. Auf Clinton warten nun mit South Carolina und Nevada zwei Staaten, die ihr lange nicht so geneigt sind, wie New Hampshire. Damit läuft alles auf einen Showdown am 5. Februar hinaus, wenn fast zwei Dutzend Staaten wählen. Spannender könnte das Rennen um die Nominierung nicht sein. nachrichten.red@volksfreund.de